Zweiseiter : Jungs gucken

Worum es im transkribierten Comic geht

Menschen bewerten das Aussehen anderer auf unterschiedliche Weisen, ist ja klar. Das Comic basiert auf einer wahren Geschichte, die mich schon ein paar Jahre immer wieder zum Schmunzeln bringt wenn ich daran denke. Ein paar Details habe ich geändert, zum Beispiel den Ort. Auf dem Boxhagener Platz und in der Umgebung bin ich zwar aufgewachsen, aber die Geschichte ist in München passiert und nicht in Berlin.

Das Comic wurde zuerst analog angefertigt und zwar mit Bleistift auf blauem Karton gezeichnet, mit Tinte geinkt und mit Buntstiften koloriert. Der Text wurde digital mit meinem Handschriftfont angelegt. Dieser Zweiseiter erschien auch in Queerulant_in Nummer 8. Worte & Bilder & Transkription : Anna Heger, 2014-2016

Transkription des Comics Jungs gucken

  1. Ich und Matthias schoben unsere Fahrräder einen Weg im Park entlang. Ich: “Ich will Schoko”
    Matthias: “Ich auch.” Matthias kannte ich über Peter mit dem ich damals les-bi-schwule Aufklärung
    in Schulklassen machte. Ein muskulöser Jogger lief an uns beiden vorbei und wir drehten beide den
    Kopf nach ihm um.
  2. Zusammen guckten wir oft nach Jungs. Wir liefen an der Liegewiese vor bei und Matthias zeigte
    auf jemanden: “Der mit dem Nasenpiercing gefällt mir.” “Oh, ja.”, antwortete ich.
    Ich liefe vor zum Eisverkaufsdreirad. Die drei bunten Luftballons bewegten sich im Wind. Ich rief
    zu Matthias, der die Fahrräder anschloss: “Willste auch beides?”
  3. Matthias saß gemütlich auf der Bank. Ich brachte unser Eis mit Schoko und Schoko-Ingwer rüber.
  4. Ich: “Boah, lecker!” Wir schauten weiter nach den Leuten die auf der Wiese saßen. “So
    grundsätzlich…”, fragte mich Matthias, “wen findest Du eigentlich attraktiv?”
  5. Ich: “Ich mag maskulines Aussehen von Frauen und auch ihre butche Energie und feminine
    Männer. Da soll so eine gewisse Balance sein.” Ein Typ mit kleinem süßem Hündchen, Hipsterbart
    und Kaschmirpullover verdrehte unsere Köpfe als er vorbei kam. Ich dachte mir: “Na ja, und ich
    mag solche wie mich.” Wörter wie genderqueer oder non-binary kannte ich damals noch nicht.
  6. Matthias grinste: “Also für mich ist das komplett anders. Männer können gar nicht maskulin genug
    aussehen.”
  7. Von oben sah man uns beide auf der Bank sitzen. Matthias fuhr fort: “Ich mag ihre, naja, gelassen
    selbstbewusste Männlichkeit.” Wir drehten uns wirklich immer begeistert nach den gleichen
    Männern um! Wir waren nur noch zwei kleine Punkte da unten im Park und rundherum standen die
    Altbauhäuser von Friedrichshain.

MiniComic 20 : Was ist ein BarCamp?

Worum es im transkribierten Comic geht

Dieses MiniComic ist in Zusammenarbeit mit dem queerfeministischen FemCamp 2014, einem BarCamp in Wien entstanden. Es geht darum des Grundkonzept von Barcamps zu erklären. Im Gegensatz zu meinen bisherigen Transkription habe ich mich für die Markierung der Geschlechtszughörigkeit (trans, cis, genderqueer, Frau, Mann) und der Rassifizierung entschieden (schwarz, asiatisch, weiß). Mir geht es um Sichtbarkeit, zum Teil ist sie aus dem Comic visuell erkennbar, zum Teil nicht. Was haltet ihr von der Umsetzung? Worte & Bilder & Transkription : Anna Heger, 2014

Transkription des Comics: Was ist ein BarCamp?

  1. Das Logo der BarCamps: wie ein nach rechts fliegender Feuerball mit einem Muster aus kleinen Spiralen.
  2. Was ist das tolle an einem BarCamp? Alles ist offen! Also fast alles … Ganz oft gibt es beim BarCamp ein übergeordnetes Thema. Vielleicht gibt es Camping und eine Bar beim BarCamp, aber das ist nicht notwendig.
  3. Ein Orgateam plant Räume, Pausen und eine offene Sessionstruktur. Drei Händen schreiben gemeinsam an den Notizen auf einen Schmierzettel.
  4. Ein Schild mit der Aufschrift: „BarCamp. Räume E, F, G.“ Darauf auch ein Pfeil der in Richtung der Räume zeigt.
  5. Teilnehmer_innen schlagen im ersten Plenum Sessions vor. Eine weisse trans Frau mit langen blonden Haaren, lackierten Fingernägeln und Armbändern schreibt mit der linken Hand einen Sessionvorschlag auf eine Karteikarte.
  6. Sie schlagen zum Beispiel Workshops vor. Eine asiatische cis Frau mit rundem Gesicht, halblangen schwarzen Haaren und einer modischen Mütze schlägt die erste Session vor. Sie lächelt und trägt eine Lederjacke über einem gestreiften Shirt.
  7. Sie schlagen Vorträge vor. Eine schwarze cis Frau mit schmalen, langen Zöpfen, die am Hinterkopf zusammengebunden sind, liest die Beschreibung für ihre Session vom einer Karteikarte ab: Bei Session 8 geht es …
  8. Sie schlagen Diskussionsrunden vor. Eine genderqueere trans Person schlägt seine Session vor. Diese Person ist weiß, hat kurze, wellige, dunkelblonde Haaren und ein kleinen Kinnbart. Die Person trägt das weißes Hemd offen über einem schwarzen Shirt und blickt etwas schüchtern drein.
  9. In einem großen Saal stellen zwei weiße Frauen die verschiedenen Sessions vor. Die eine trägt Rock und Jacket und die andere ein weites, bequemes Oberteil und Jeans. An der Tafel wurden schon einige Karteikarten befestigt sind. Im Publikum sitzen viele Menschen mit verschiedenen Zugehörigkeiten was Geschlecht und Rassifizierung angeht- jedoch ist nur ein Ausschnitt zu sehen, auf dem etwa 10, 15 zu sehen sind. Einige heben die Hand um sich zu melden oder rufen „hier ich “ in die Runde.
    Die cis Frau vor der Tafel, die einen dunklen Rock und ein helles Jacket trägt konstatiert: „okay, 14 Leute“. Die trans Frau mit langen Haaren und einem weiten Oberteil zeigt auf die Tafel und fragt: „Und wer will zu …“.
    Auf dem Plenum entscheidet sich ob und wie viele an den vorgeschlagenen Sessions Interesse haben. Je nach Raumbedarf entsteht das Tagesprogramm.
  10. In einem vergrößerten Ausschnitt der Tafel ist das beschlossene Tagesprogramm für den Nachmittag mit Karteikarten abgebildet. In den Räumen E, F und G finden Sessions mit den folgenden Inhalten statt: Netzpolitik, Sexismus, SexWatch, Far Out, Twitter, Rails Girls, Digital, Aktivismus, Privatsphäre. Auf jeder Karteikarte steht auch der Twittername, der Menschen die sie geben. Ein paar Zeitbereiche auf der Übersicht sind noch frei.
  11. Ein BarCamp ist eine Unkonferenz, es gibt Zeit und Raum für alles was sich sonst zwischen Tür und Angel ergibt. Es geht darum Neues auszuprobieren, Wissen weiterzugeben und vor allem Spaß zu haben.
  12. In den Sessions entstehen neue Ideen für weitere Sessions. Eine weisse cis Frau mit halblangen Haaren sitzt vergnügt neben einer weissen trans Frau mit glatten zurück gekämmten Haaren. Die erstere schlägt der anderen vor: „Du, lass uns das bauen …“. In Gedanken hat sie einen technischen Workshop. Drei Menschen sitzen um einen Tisch, der voll geräumt ist mit Widerständen, einem Schaltplan, einem Lötkolben und weiterem Kleinkram. Eine weisse cis Frau mit Pony und hochgesteckten Haaren beugt sich vor, während sie etwas zusammenschraubt. Rechts von ihr, greift eine weisse genderqueere Person mit unsymmetrischem Haarschnitt nach dem Lötkolben. Außerdem ist eine dritte Person mit langen dunklen Haaren von hinten zu sehen. Sie hält einen Schraubenzieher hoch.
  13. Ein fröhlich drein blickender Holzfrosch mit gemusterter Haut und bestechenden Augen ist vor dem Abspann abgebildet. Es ist der @freefrosch – ein Maskottchen des FemCamps.

Minicomic 19 : Die Hundert-Prozent-Quote

Worum es im transkribierten Comic geht

Das 8. WebComicKollektiv zum Thema Quote: Mich regen die Riesen-Jammerei wegen Mini-Frauenquote und das Weglassen der anderen Diskriminierungsachsen richtig auf. Ich hätte gern die 100%-Quoten der unheimlich homogenen Chefetagen so benannt und dann abgeschafft. Deren Zusammensetzung steht symptomatisch für die Struktur unserer Gesellschaft.

In diesem transkribierten MiniComic werden Zitate aus vier Tweets, KhaosKobold, baranek, enoerlee und miinaaa, und aus dem Artikel von John Scalzi, „Straight White Male: The Lowest Difficulty Setting There Is“, benutzt.

Transkription des Comics Die Hundert-Prozent-Quote

  1. „Wenn jemand fragt, ob wir nicht schon gleichberechtigt sind, bin ich sprachlos … wo soll ich da anfangen?“ [1] Ich sitze im Bus auf dem Weg zur Arbeit, zusammen mit vielen anderen Menschen und höre die Gespräche meiner Sitznachbarn mit an. m(
  2. Der Bus hält an der Haltestelle.
  3. Ich gehe zur Eingangstür von dem großen Gebäude mit den vielen Stockwerken.
  4. Von Level 0 führt die Rolltreppe auf das nächste Level.
  5. Ich komme oben in Level 1 an und höre wen reden: „Bis zu uns ist es doch barrierefrei und mehr hat bisher niemand verlangt.“ Ich gehe weiter zum nächsten Level.
  6. Ich nehme die Treppe auf dem Weg zu Level 2. Im Treppenahaus gibt ein Schild das die Treppe hinunter zeigt: „ohne Abitur hier entlang“ o__O
  7. Zu Level 3 geht es über ein enge Wendeltreppe. Davor steht ein Schild das anzeigt, dass hier keine Kinderwägen parken dürften.
  8. Auf ein Klappleiter geht es zu Level 4. Ich höre hinter mir wen sagen: „Männer können aus ihrer Normalität heraus Karriere machen. Frauen hingegen müssen sich stark verstellen.“ [2]
  9. Der Weg zu Level 5 führt über eine Strickleiter, die aus einer kreisförmigen Öffnung aus der Decke hängt. Bei Hochsteigen höre ich von dort Stimmen: „Man muss sich nur kritisch korrekt ausdrücken, dann ist es auch nicht rassistisch.“ [3] und „Wir haben doch schon ne Quote. Was soll man denn noch alles für die tun?“[4]
  10. Ich weiss Level 5 ist nicht ganz oben und ansonsten haben Leute die Reihenfolge der Level auch anders erlebt… 🙂
  11. … und ganz oben gibt es eine Hundert-Prozent-Quote: 100% weiß, hetero, cis-männlich, studiert und ableisiert … Eine einzelne Abweichung davon schien auch akzeptabel zu sein. Sonst wäre ich ja auch nicht so weit gekommen. Vor meinem inneren Auge sehe ich eine Karte der einzelnen Level und wie sie mit Treppen und Leitern verbunden sind, wie in einem Computerspiel. :3
  12. „Beim kompliziertesten Rollenspiel, mit der größten Anzahl an Leveln, auch bekannt als richtiges Leben, ist weiß-hetero-cis-männlich die Einstellung mit dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad.[5] (John Scalzi, „Straight White Male: The Lowest Difficulty Setting There Is“, 2012) 😉

MiniComic 15 : Nila

Worum es im transkribierten Comic geht

Minicomic 15 hat jetzt einen neuen Text erhalten und damit auch den neuen Titel. Die alte Version bleibt auf dem Blog. Der Text ist jetzt genauso wie die Bilder autobiographisch, aber mit einer Portion künstlerischer Freiheit. Bilder & Worte : AnnaHeger, 2012-2013

Transkription des Comics Nila

  1. Nila, eine schwarze Katze, kommt schräg über das Dach gelaufen.
  2. Nila, die noch sehr jung ist, läuft mir auf meinem ausgestreckten Arm entgegen. Im Hintergrund ein bäuerliches Haus und der Zaun zum angrenzenden Obstgarten. Ich: „Ich will jetzt nach Hradec Králové zum Einkaufen“. Nila antwortet mir: „Au ja, ich komme mit!“
  3. Nila sitz am Hoftor und guckt mich erwartungsvoll an. Über ihr auf einer Stänge sitzen viele kleine rote Vögel nebeneinander.
  4. Vor mir läuft Nila die mit Pappeln gesäumte Landstraße entlang. „Ich habe mich daran gewöhnt siebzig Minuten zu Fuß zum Zug zu gehen,…“
  5. Mit Geschick fängt Nila auf dem Feld eine Maus. „…drei Stunden am Tag im Büro zu sein,…“
  6. Von weitem sehe ich Nila am Wald vorbei über die hügeligen Felder sausen. „…im Wald Heidelbeeren zu holen,…“
  7. In der Näher der Windmühle läuft Nila wieder bei mir. Im Hintergrund steht ein Storch, die anderen drei fliegen grade weg. „…und daran, dass Nila überallhin mitkommen will.“
  8. Nila steht vor dem Bahnübergang in Plchchůvky und sieht meinem Zug entgegen: „Toll da kommt ja schon der Zug aus Hradec zurück!“. Ich: “ Erst als ich schon wieder in der Stadt wohnte, ist mir aufgefallen, dass Nila mehr geredet hat als die hiesigen Katzen.“
  9. Der Zug verschwindet am Horizont.

MiniComic 18 : Zäune bauen

Worum es im transkribierten Comic geht

Schon gibt es das siebente WebComicKollektiv. Diesmal wieder ein Minicomic. “Wir sind ja tolerant, aber…” Bringt es Toleranz als aktivistischer Begriff, als Konzept, überhaupt. Es geht darum, dass ich das Konzept Toleranz schon seid einiger Zeit ziemlich überbewertet finde. Die Grenzen der Toleranz werden nicht von denen gezogen die es zu tolerieren gilt. Da liegt der Unterschied zu Respekt und Gleichberechtigung. Bilder & Worte: Anna Heger, 2013

Transkription des Comics Zäune bauen

  1. Es ist Nacht und die Hasen treffen sich am Wasserloch zwischen den Hügeln.
  2. Vier junge Hasen liegen an ihren Vater gekuschelt im Bau. Der Hase Max sagt zu Caro: „Wir gehen nochmal raus oder?“
  3. Max und Caro klettern oben aus dem Hasenbau heraus. Caro sagt: „Ich schlag‘ die tollsten Haken“, worauf Max antwortet: „Aber Du mußt gucken wie schnell ich im Kreis laufe!“
  4. Viele Hügel sind zu sehen. Caro schlägt Haken und immer wieder trifft sie auf Max, der in meandernden Kreisbahnen über die Hügel wetzt.
  5. Im Hintergrund kommen gerade Caro und Max vorbei. Im Vordergrund unterhalten sich zwei Hasen: „Wir sind ja tolerant, aber so läuft der Hase nicht!“ Was Hasen, die das Sagen haben, dann so sagen. Die beiden Hasen mit dem Sagen sehen wir von hinten.
  6. Ganz viele Hasen sind zu sehen wie sie in großer Menge zusammenstehen.
  7. Ein Stück entfernt von ihnen hoppeln Caro und Max in unterschiedlichen Richtungen vorbei.
  8. Tolerant sind die Hasen, die das Sagen haben, die legen dann fest wie der Hase läuft. Caro und Max können nicht mehr über die weitläufigen Hügel hoppeln. Sie sind in unterschiedlichen abgezäunten Parzellen eingesperrt.
  9. Ein Hase, den wir von hinten sehen sagt: „Da hört die Toleranz wohl auf!“ Die Hasen, die das Sagen haben, sagen auch wo der Zaun ist und wie eng der Raum für andere Hasen ist um als solche erkannt zu werden? Im Hintergrund ist Caro zu sehen die ihre Pfoten zwischen den weißen Zaunlatten durchsteckt.
  10. Caro versucht immer wieder diesem Zaun etwas anzuhaben und aus der Parzelle herauszukommen.

MiniComic 12 : Weiterschlafen

Worum es im transkribierten Comic geht

Zum sechsten WebComicKollektiv gibt es ein Minicomic. Es geht ums lieber-weitermachen-wollen also ums lieber-im-bett-bleiben als endlich-ins-bett gehen. Bilder & Worte: Anna Heger, 2012-2013

Transkription des Comics Weiterschlafen

  1. Ein Wiesnherz mit roter Zuckerdekoration hängt an der Wand neben dem Bett.
  2. Ich liege mit nochjemandem schlafend in einem Bett, die Sonne scheint schon durchs Fenster. Aus dem Wecker im Handy auf dem Nachttisch ertönt eine Melodie. „Manchmal teile ich meine Bett.“
    „Oft habe ich keine Lust mit dem aufzuhören was ich gerade mache.“
  3. „Das beginnt beim Aufstehen.“ Die Musik verstummt und die andere Person legt ihren Hand auf meinen Arm. Meine Augen sind zusammengekniffen.
  4. „Ich will einfach weiterschlafen.“ Ich drehe mich zu J in meinem Bett um.
  5. Wie immer: „Nur noch ein winziges Minütchen!“
  6. „Ich will weiterschlafen, nicht aufstehen und frühstücken“. Beide liegen im Bett und haben die Augen wieder zu.
  7. „Ich will weiterfrühstücken und nicht arbeiten gehen.“ Beide sitzen in der Küche und trinken Tee.
  8. „Das geht den ganzen Tag so.“ Ich sitze programmierend vor zwei Bildschirmen.
  9. „Schließlich weiterlesen statt schlafen. Ich will nicht ins Bett, aber ich bleibe gerne drin.“ Und denke wieder: „Nur noch ein winziges Kapitelchen.“
  10. „Der Kreislauf wiederholt sich nach vierundzwanzig Stunden.“ Die Melodie des Weckers beginnt erneut.
  11. Das Handy auf dem Tisch mit den Büchern fängt aufs neue mit der Weckmelodie an.

MiniComic 17 : Kritik von weißen Schafen an weißen Schafen

Worum es im transkribierten Comic geht

Beim fünften WebComicKollektiv geht es um Kritik. Ich habe mich diesmal mit einer Methode beschäftigt, um Kritik, insbesondere in der eigenen Gruppe, zu strukturieren. Die dargestellten fünf Schritte Kritik anzubringen habe ich aus Challenging homophobia, racism and other oppressive moments [English] von Nicole LeFavour, 2001. Dort gibt es auch noch ein Anweisung wie auf die Kritik reagiert werden kann: 1. ruhig durchatmen, 2. zuhören, 3. sich für Kritik bedanken, 4. aktiv Situation verbessern, 5. später über Kritik weiter nachdenken. Bilder & Worte & Transkription: Anna Heger, 2013

Transkription des Comics Kritik von weißen Schafen an weißen Schafen

  1. Viele Schafe laufen, eines hinter dem anderen oben auf der Deichkuppe entlang. Hinter dem Deich gibt es zwei Bäume. „Vielleicht kennst Du das. Ihr steht auf dem Deich und wer von den Anderen erzählt einen unlustigen Witz. Diese Witze sind fies* . Sie sollen zeigen, dass alle die mitblöken zusammen gehören und was Besseres sind.“
    * fies hier als Platzhalter für klassistisch, rassistisch, sexistisch, heteronormativ, verrückteabwertend, bifeindlich, transfeindlich, antisemitisch, körpernormierend, ableistisch, armeabwertend…
  2. Die meisten der weiße Schafe stehen jetzt auf der anderen Seite des Deiches vor den Bäumen. Im Hintergrund fliegt eine Gruppe von Möven weg. Ein Schaf im Vordergrund läßt die Ohren hängen und denkt gernervt: „Nicht alle sind immer Teil vom großen Spaß“. Dier Erzähler_in: „Wenn Du den Witz kritisierst, geht das große Geblöke los, das kennst Du. Aber dann nichts sagen und noch mehr davon anhören müssen und anhören lassen?“
  3. Dier Erzähler_in, ein weißes Schaf, steht auf der Deichkuppe: „Bin ich so ein Schaf, das dann daneben steht. Ich beruhige kurz den berechtigten Ärger und gehe vier Schritte nach vorn:“
  4. Über dem Panel der Titel, 1.: Ruhig durchatmen.
    Das Erzählerschaf atmet geräuschvoll aus.
  5. 2.: Nein sagen.
    „Dieser Witz ist nicht lustig…“ Im Hintergrund galoppieren Schafe den Deich herunter.
  6. 3.: Erklären warum.
    Weitere den Deich runter gallopierende Schafe sind zu sehen. Das Erzählerschaf: „…weil er fies* ist.“
  7. 4.: Sagen was ich erwarte.
    Das Erzählerschaf ist von hinten zu sehen. Es sagt: „Bitte nicht noch mehr dieser Witze erzählen…“
  8. 5.: Den Effekt erklären.
    „…es kommt rüber als stellt ihr euch höher als andere Schafe.“ Im Hintergrund stehen ein paar weiße Schafe an der oberen Deichkante und ein Storch fliegt nach rechts weg.
  9. „Es gibt immer welche, die hören vorerst noch nur zu!“ Im Hintergrund stehen Lämmer mit einem älteren Schaf am Deich.