Workshop : Pronomen ohne Geschlecht : Göttingen

Ort und Zeit

Am Samstag, den 02.07.2016 werde ich wieder einen Pronomenworkshop halten. Ich wurde von der Fachgruppe Geschlechterforschung der Georg-August-Universität Göttingen eingeladen, Facebookankündigung.

Ort: Göttingen, Goßlerstraße 1, AStA Seminarraum, unten
Zeit: 2.7.2016, 16-18 Uhr

Workshopbeschreibung

Pronomen ohne Geschlecht – xier, xiese und dier – eine Alternative

Die deutsche Sprache zwingt uns, Geschlechter zu markieren wenn wir über Dritte sprechen, ob wir wollen oder nicht. Wir müssen eines der beiden herkömmlichen Geschlechter auswählen – auch in Fällen, wenn das Geschlecht nicht relevant ist oder die Person selbst weder männlich noch weiblich ist. Es gibt weder ein allgemeines noch alternative Pronomen.

Anna Heger gibt im Workshop eine Einführung zur nötigen Grammatik um xier (sie,er), xiese (seine, ihre) und dier (die,der) zu benutzen und zu deklinieren. Xier lädt die Teilnehmenden zu einer Diskussion über emanzipatorische Sprache und über Fremd- und Selbstbezeichnung ein.

In xiesem ComicZineHeftchen zum Thema schrieb xier: „Ich denke, dass Sprache nicht wertfrei, sondern ein Spiegel der Verhältnisse ist. Veränderte Verhältnisse brauchen eine veränderte Sprache. Ganz oft werde ich genau dort verändern wollen, wo es nicht mehr auszuhalten ist und wo mir etwas fehlt.“

Workshop : Pronomen ohne Geschlecht : München

Zusammenfassung

Am Donnerstag, den 27.02.2014, hielt ich den 3. Workshop zu Pronomen ohne Geschlecht im Queerkafe im Tröpferlbad (Kafe Marat) in der Thalkirchnerstraße 102.

Workshopbeschreibung

Xier packt xiesen Koffer – Pronomen ohne Geschlecht: Anna Heger

Die deutsche Sprache zwingt uns, Geschlechter zu markieren wenn wir über Dritte sprechen, ob wir wollen oder nicht. Wir müssen eines der beiden herkömmlichen Geschlechter auswählen – auch in Fällen, wenn das Geschlecht nicht relevant ist. Es gibt weder ein allgemeines noch alternative Pronomen.

Anna Heger wird in xiesem Workshop eine Alternative zu “er” und “sie” vorstellen, die xier entwickelt hat. In xierem ComicZineHeftchen zum Thema schreibt xier: „Ich denke, dass Sprache nicht wertfrei, sondern ein Spiegel der Verhältnisse ist. Veränderte Verhältnisse brauchen eine veränderte Sprache. Ganz oft werde ich genau dort verändern wollen, wo es nicht mehr auszuhalten ist und wo mir etwas fehlt. Pronomen ohne Geschlecht haben mir im Deutschen gefehlt.“

Anna Heger gibt im Workshop eine kurze Einführung zur nötigen Grammatik, damit klar wird, wie xier, xieser und die anderen in die herkömmliche Sprache passen. Xier lädt die Teilnehmenden zu einer Diskussion über emanzipatorische Sprache ein, über die Hoffnungen und Verwirrungen, die damit verbunden sind und über die Frage, wie das Zuhören und Mitlesen erleichtert werden kann.

Workshop : Pronomen ohne Geschlecht : Zürich

Wie der Workshop lief

Der zweite Workshop, Xier packt xiesen Koffer ist super gelaufen. Er fand bei Les Complices* in Zürich statt. Ich habe aus dem ComicZineHeftchen gelesen und viel erzählt.

Workshopbeschreibung:

Xier packt xiesen Koffer – Pronomen ohne Geschlecht: Anna Heger
Einleitung und Moderation: Chris Caprez

Die deutsche Sprache zwingt uns, Geschlechter zu markieren, ob wir wollen oder nicht. Wir müssen eines der beiden herkömmlichen Geschlechter auswählen – auch in Fällen, wenn das Geschlecht nicht relevant ist. Es gibt weder ein allgemeines noch alternative Pronomen.

Anna Heger wird in xiesem Workshop eine Alternative zu “er” und “sie” vorstellen, die xier entwickelt hat. In xierem ComicZine Heftchen zum Thema schreibt xier: „Ich denke, dass Sprache nicht wertfrei, sondern ein Spiegel der Verhältnisse ist. Veränderte Verhältnisse brauchen eine veränderte Sprache. Ganz oft werde ich genau dort verändern wollen, wo es nicht mehr auszuhalten ist und wo mir etwas fehlt. Pronomen ohne Geschlecht haben mir im Deutschen gefehlt.“

Anna Heger gibt im Workshop eine kurze Einführung zur nötigen Grammatik, damit klar wird, wie xier, xieser und die anderen in die herkömmliche Sprache passen. Xier lädt die Teilnehmenden zu einer Diskussion über emanzipatorische Sprache ein, über die Hoffnungen und Verwirrungen, die damit verbunden sind und über die Frage, wie das Zuhören und Mitlesen erleichtert werden kann.

Anna Heger zeichnet politische und biographische Comics. Die gibt es gedruckt und online auf xiesem Blog http://annaheger.wordpress.com. Xier selber ist unter anderem poly, feministisch, trans*, queer und bi.

Pronomen ohne Geschlecht 3.2

Zusammenfassung

Die Pronomen ohne Geschlecht in der Version 3.2 ist fertig. Natürlich gibt es sie als reine Textversion. Die Version mit den visuellen Inhalten ist ein Comiczineheftchen im visuellen Webseitenbereich.

Diese Transkription in reinen Text hat mit Hyperlinks und Erklärtext für die schwebende Maus. Durch schweben mit der Maus über der verlinkten Zahl werden die Erklärungen der Liste beziehungsweise Definitionen angezeigt. Diese Zusatzinfos sind auch mit dem Screenreader lesbar.

Die aktuelleste Version der Pronomen ohne Geschlecht gibt es auf der Übersichtsseite.

Einleitung

[…Ich kann auch nur schwer glauben,wie wenig sich Geschlechtsneutralität in deutscher Sprache bisher durchgesetzt hat. immer wenn ich in den USA bin, ist es so toll, wie Leute einfach they benutzen, statt mich in die he oder she Schublade zu stecken und ich so viel weniger über meine Geschlechtsidentität nachdenken muss!!! Ich hoffe irgendwann ist das mit den Pronomen so normal, wie sich auch der Unterstrich mittlerweile in manchen Kreisen durchgesetzt hat…]

Das hat Andrzej, Herausgeb_er_in des Zines Wer ‚A‘ sagt, muss nicht ‚B‘ sagen [1], auf der Pronomenseite kommentiert.

Möchtest Du mehr geschlechtsneutrale Sprache? Fehlen Dir Worte für die Selbstbezeichnung?

Kennst Du schon alternative Grammatik und interessierst Dich für andere Möglichkeiten?

Dann bist Du hier richtig. Ich will Dir hier verschiedene Pronomen ohne Geschlecht vorstellen. Du kannst 3, alle 28 oder gar keines dieser Pronomen verwenden, ganz wie Du willst!

Viel Spaß beim Lesen!

Die meisten Pronomen haben gar kein Geschlecht: ich, du, unser, mein… Die Pronomen in der 3. Person Einzahl bekommen jedoch eines zugewiesen, ihr wisst schon: er, sie, sein, ihr, die, der, dem… Ich finde es unsinnig immer wenn ich über Dritte rede, das Geschlecht mit anzugeben, aber es gibt noch ein paar andere Gründe.

Manchmal meine ich ausdrücklich ein bestimmtes Geschlecht, aber ganz oft nicht. Auf Englisch kannte ich schon Pronomen ohne Geschlecht – ich beziehe mich im folgenden immer auf die 3. Person Einzahl – aber auf Deutsch fehlten sie mir.

Das erste Pronomen ohne Geschlecht, sif, schrieb ich zusammen mit Sarah Hill im Zug auf die Rückseite einer Fahrkarte. Das Aussehen der Personalpronomen hat sich im Laufe der Zeit noch verändert. Es folgten sier und xier. Bei xier bin ich schließlich geblieben. Es ist ein kurzes Wort, die Endung kann die Deklination, also zum Beispiel den Akkusativ, anzeigen und wegen des ersten Buchstabens lässt es sich nicht einfach mit einem schon existierenden Wort verwechseln.

Ich wurde mal gefragt, ob die Pronomen extra fürs Internet angefertigt wurden. So war das nicht, aber ich habe sie ziemlich bald auf eine Webseite gesetzt und konnte so mit mehr Menschen diskutieren. 2012 hat Liliane Gross auf dem Blog kommentiert, ob ich nicht den Anfangsbuchstaben auf x setzen möchte:

[…Durch den schärferen x-Laut wird aber wieder verdeutlicht, dass man sich oder andere eben nicht als „sie“ oder „er“ identifiziert…]

Ich will Sprache mit mehr Möglichkeiten, dann kann ich genauer ausdrücken was ich sagen will. Ich sollte vielleicht erwähnen, dass ich das generische Maskulinum (Definition) nicht toll finde, aber dazu später mehr.

Ich denke, Sprache hat Macht. Veränderte Verhältnisse brauchen eine neue Sprache. Sprache ist jedoch nicht nur ein Spiegel der Verhältnisse, sondern schafft auch neue Wirklichkeiten. Und manchmal brauche ich mehr sprachlichen Platz, schon bevor sich die Verhältnisse ändern können.

Inhaltsverzeichnis

Ihr braucht nicht alles auf einmal lesen und wenn ihr Euch nur mit bestimmten Teilen näher beschäftigt, freut mich das auch.

Einleitung
Einfach anfangen
Gründe
Schwedisch und Englisch
Fünf verschiedene Pronomen
Personalpronomen: xier
Possessivpronomen: xieser
Relativpronomen und Artikel: dier
Die grammatikalischen Geschlechter
Substantive
Was andere machen
Fremdbezeichnung oder Selbstbezeichnung
Und weiter
Abspann
Fußnoten und Quellenangaben

Einfach anfangen

Die herkömmlichen Personalpronomen, sie und er, lassen sich zu einem neuen Personalpronomen, sier, kombinieren wenn ich beide Wörter hintereinander schreibe und ein e weglasse. Das habe ich auch schon als si:er, si_er oder si*er gelesen.

Die Symbole zwischen si und er sind nicht so einfach auszusprechen, denke ich, aber geschrieben sind sie intuitiv verständlich. Im Deutschen hängt die Endung eines Personalpronomens vom Fall ab. Im 3. Fall, dem Dativ, wird sie zu ihr und er wird zu ihm. Die Endung des Possessivpronomen, ihr und sein, ändern sich obendrein noch in Abhängigkeit vom Geschlecht des Substantivs, auf das sie sich beziehen. Auch Pronomen ohne Geschlecht brauchen unterschiedliche Endungen, weil sie wichtig für das Verstehen eines Textes sind. Wem das zuviel Grammatik auf einmal ist, möge mit den drei Grundformen der Pronomen ohne Geschlecht beginnen und die Endungen kreativ beim Sprechen verändern:

  1. xier – ein Personalpronomen, anstelle sie und er
  2. xieser – ein Possessivpronomen, anstelle ihr und sein
  3. dier – ein Artikel und ein Relativpronomen, anstelle die und der

Das x am Wortanfang wird wie für ein x typisch entsprechend der phonetischen Lautschrift [2], [ks], ausgesprochen. Die Pronomen xier und dier reimen sich auf das Wort Tier und xieser reimt sich auf das Wort dieser.

  1. xier – [ksi:ɐ̯]
  2. dier – [di:ɐ̯]
  3. xieser – [ksi:zɐ]

Ausführlicheres zu den Endungen und vorhandenen grammatikalischen Strukturen folgt weiter unten.

Beispielsätze

Xier, dier jongliert.
Xier konzentriert sich auf xiese Ringe.

Gründe

Lenas Gründe

[…Es gibt Momente, da halte ich es für angebracht, geschlechtsneutral zu schreiben oder zu sprechen…]

Das Zitat stammt von Lena Schimmel. In ihrem Artikel [3] beschreibt sie auch eine Reihe von Situationen in denen sie geschlechtsneutrale Pronomen bräuchte:

  1. Wenn ich das konkrete Geschlecht einer Person kenne, aber es in dem Moment für ungünstig halte, es zu erwähnen.
  2. Wenn eine Person sich mir mal als Mann und mal als Frau gezeigt hat und ich nicht weiß, wie die Person sich selbst bezeichnet.
  3. Wenn ich einen Bericht nacherzählen möchte, der in geschlechtsneutraler Sprache geschrieben ist.
  4. Wenn ich dasGeschlecht der Person vergessen habe.
  5. Wenn die Person weder das männliche noch das weibliche Geschlecht hat.
  6. Wenn ich potentiell jeden Menschen meine, egal welchen Geschlechts.

Die Situationen, die Lena beschreibt, kommen mir bekannt vor. Mir geht es oft auch ähnlich. Eigentlich habe ich vier Gründe dafür, Pronomen ohne Geschlecht zur Verfügung haben zu wollen:

Grund 1

Ich finde das generische Maskulinum, also die Verwendung der maskulinen Form als der allgemeinen, sexistisch. Frauen seien bei männlichen Formen mitgemeint, aber in den Köpfen funktioniert das nicht. Bei Pronomen wäre die Mehrzahl geschlechtsneutral, aber in der Einzahl brauche ich eine neutrale Alternative.

Grund 2

Als geschlechtsneutrale Selbstbezeichnung für Menschen, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zuordnen wollen oder können. Pronomen ohne Geschlecht können für Menschen abseits der beiden Pole weiblich und männlich zu mehr Sichtbarkeit führen.

Grund 3

Ich will mich mit Pronomen auf die Substantive ohne Geschlecht beziehen, die es schon gibt.

Grund 4

Außerdem erleichtern sie die Übersetzung von Texten aus anderen Sprachen, wenn dort geschlechtsneutrale Pronomen verwendet werden.

Jedoch

Manchmal benutze ich eben keine Pronomen ohne, sondern die mit Geschlecht. Zum Beispiel in Bezug auf individuelle Menschen, von denen einige hart für die Benutzung ihres Pronomens gekämpft haben, später mehr zum Thema Selbstbezeichnung.

Ich denke, geschlechtsneutrale Sprache führt nicht automatisch zu Geschlechtergerechtigkeit in einer Gesellschaft. Bei feministischem Aktivismus stehen Geschlecht und die Unterdrückung von Frauen im Mittelpunkt. Wenn ich Ungerechtigkeit bekämpfen möchte,muss ich sie auch beschreiben können. Dafür brauche ich geschlechtsspezifische Sprache.Wenn Geschlecht keine Rolle spielt, werde ich geschlechtsneutrale Sprache benutzen.

Schwedisch und Englisch

Auf englisch

Pronomen ohne Geschlecht kenne ich im Englischen schon viele Jahre. Es gibt zwei geschlechtsspezifische Pronomen der 3. Person Singular, she und he. Versuche, das generische Maskulinum, also die mitmeinende Verwendung, mit einem geschlechtsneutralen Pronomen zu ersetzen, gab es schon 1850. Dabei existierte das they im Singular schon viel länger [4] in der englischen Sprache. In der Literatur [5] werden they, them, themselves und their schon seit den 1300 Jahren auch benutzt um eine einzige Person zu beschreiben. Die Wörter werden traditionell benutzt wenn nicht weiter bestimmt ist, wer diese Person ist.

Außerdem gibt es zahlreiche neuerfundene Pronomen ohne Geschlecht. Ein Beispiel dafür sind ze und hir. Ze, gesprochen wie in dem Wort New Zealand, wird anstelle von she|he benutzt. Hir, gesprochen wie in here, ersetzt her|his und hirself ersetzt herself|himself.

Ze hirself calls hir friend. (deutsche Übersetzung: Sie|er ruft ihren|ihre|seine|seinen Freundin|Freund selber an.)

In Schweden

In Schweden wurde 2009 ein geschlechtsneutrales Pronomen in die schwedische Nationalenzyklopädie aufgenommen. Es gibt zusätzlich zu hon (sie) und han (er) das geschlechtsneutrale Pronomen hen. Das neue Wort stand schon drei Jahre in der schwedischen Nationalenzyklopädie, als es 2012 in die Schlagzeilen kam, weil Jesper Lundqvist es in einem Kinderbuch [6] verwendet hatte.

Fünf verschiedene Pronomen

Ich zeige euch jetzt fünf wichtige Pronomen. Damit ihr wisst um welche Pronomen es geht und was ihre Funktion ist, beginne ich mit kurzen Definitionen. Ein Pronomen, auch Fürwort genannt, steht stellvertretend für ein Substantiv.

Personalpronomen haben, je nach Fall [7], verschiedene Endungen. Das gleiche gilt für Artikel und Relativpronomen. Bei Possessivpronomen ist die Endung zusätzlich vom Genus [8] eines anderen Substantivs abhängig. Das macht sechzehn verschiedene Endungen. Es folgen Beispiele und Übersichten der Endungen der Pronomen ohne Geschlecht.

Personalpronomen

= persönliches Fürwort

Ich habe einen Koffer.

Possessivpronomen

= besitzanzeigendes Fürwort

Mein Koffer ist groß.

Relativpronomen/Demonstrativpronomen

= bezügliches Fürwort / = Artikel = hinweisendes Fürwort

Der Koffer, den ich mitgebracht habe, ist rot.

Interrogativpronomen

= Fragewort = fragendes Fürwort

Wer ist im Koffer?

Personalpronomen : xier

Ein Personalpronomen ist kurz und ersetzt das Substantiv in einem Satz. Damit werden Texte angenehmer und übersichtlicher zu lesen.

Zu den Personalpronomen mit Geschlecht, sie und er, kommt das Personalpronomen ohne Geschlecht, xier. Das x (Iks) am Anfang der Pronomen betont, dass das Pronomen für alle gilt und nicht nur für Frauen und Männer. Wie das Sternchen, *, ist es ein Platzhalter, der für vielfältige Möglichkeiten steht. Das Pronomen und alle folgenden werden mit ie geschrieben, damit eindeutig ist, wie es ausgesprochen werden soll, nämlich mit langem i-Laut. Seine Endung in den vier verschiedenen Fällen orientiert sich an den entsprechenden Fragewörtern, wer, wessen, wem und wen. Wenn ich die neuen Wörter im richtigen Fall benutzten möchte, muss ich am Anfang sowieso mit dem Fragewort fragen, um welchen Fall es sich handelt. So hab ich es in der Schule gelernt.

  1. Nom. Wer schreibt? Xier schreibt.
  2. Gen. Wessen schäme ich mich? Ich schäme mich xies.
  3. Dat. Wem gehört das? Das gehört xiem.
  4. Akk. Wen brauchst du? Du brauchst xien.

Die femininen Personalpronomen in der dritten Person, sie|ihrer|ihr|sie, und die maskulinen, er|seiner|ihm|ihn, werden um xier|xies|xiem|xien ergänzt.

Fälle: 1. Nom. 2. Gen. 3. Dat. 4. Akk.
Personalpronomen xier xies xiem xien

Possessivpronomen

Mit dem Possessivpronomen wird Besitz oder Zugehörigkeit ausgedrückt. Die Endung hängt sowohl vom Genus der besitzenden als auch der zugehörigen Person ab. Der Wortstamm, xies_, des Possessivpronomens ohne Geschlecht ist wie bei den beiden herkömmlichen Formen an den Genitiv des Personalpronomens angelehnt. Die Endungen sind dieselben, die sonst angehängt werden, je nachdem ob das, was jemand besitzt, grammatikalisch feminin, maskulin oder neutral ist.

Zum Beispiel: Xier ruft noch xiese Freundin und xiesen Freund.

Außerdem kommt es vor, dass es sich eben nicht um xiese Freundin oder xiesen Freund, sondern um Freund* oder Freund_in handelt [9]. Deshalb sind zusätzlich Endungen für Subjekte ohne Geschlecht definiert. _er| _es| _em| _en leiten sich wieder von den Fragewortbestandteilen ab. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht aller möglichen Wortstämme und aller Endungen:

Beschreibung: Der Stamm entspricht dem Genus der Person, zu der etwas/jemand gehört. Die Endung entspricht dem Genus der Person, die zugehörig ist
Fall: 1. Nom. 2. Gen. 3. Dat. 4. Akk.
herkömmlich: ihr_

sein_

sein_

_e

_

_

_er

_es

_es

_er

_em

_em

_e

_en

_

alternativ: xies_ _er _es _em _en

Alle Endungen werden nach Bedarf mit allen Wortstämmen kombiniert.

Eine Alternative ist die Verwendung eines anderen Vokals in den alternativen Endungen. Damit wäre diese stärker von den maskulinen Endungen abgegrenzt. Zwei Beispiele sind:

_ir| _is| _im| _in (zum Beispiel: Ich gebe es xiesim Freund*)

_ör| _ös| _öm| _ön (zum Beispiel: Ich gebe es xiesöm Freund*)

Beispielsätze zeigen wie die Kombination aller Endungen mit dem alternativen Wortstamm xies_ funktioniert:

  1. Nom. Xieser Freund*, xiese Freundin, xies Freund und xies Kind schreiben.
  2. Gen. Xier schämt sich xieses Freund*, xieser Freundin, xieses Freundes und xieses Kindes.
  3. Dat. Das gehört xiesem Freund*, xieser Freundin, xiesem Freund und xiesem Kind.
  4. Akk. Xier sucht xiesen Freund*<, xiese Freundin, xiesen Freund und xies Kind.

Auch Pronomen wie mein und euer bekommen in Bezug auf Substantive ohne Geschlecht neue Endungen. Auch hier würden andereVokale zur besseren Unterscheidung von den maskulinen Formen führen.

  1. Nom. Meiner Freund* und eurer Freund_in schreiben.
  2. Gen. Du schämst dich meines Freund* und eures Freund_ins.
  3. Dat. Das gehört meinem Freund* und deinem Freund_in.
  4. Akk. Wir suchen ihren Freund* und unseren Freund_in.

Artikel und Relativpronomen

Dier ist ein Artikel und kann auch als Relativpronomen für Nebensätze benutzt werden. Seit ich in Süddeutschland lebe, benutze ich Artikel vor Namen, wenn ich über Menschen rede. Ich mag es, weil es Nähe zu der Person ausdrückt und es klingt in meinen Ohren freundlicher. Aber es bedeutet auch, dass bei jeder Erwähnung eines Namens noch mal klargestellt wird:

Die Susanne ist eine Frau.
Der Peter ist ein Mann.

Die bestimmten Artikel gibt es in vier Fällen, die|der|der|die und der|des|dem|den. Die geschlechtsneutralen bestimmten Artikel, dier|dies|diem|dien, werden aus dem Wortstamm die_ und dem entsprechenden Fragewortbestandteil gebildet.

Mit Relativpronomen werden Nebensätze eingeleitet. Die Relativpronomen ohne Geschlecht richten sich einfach nach den bestimmten Artikeln ohne Geschlecht.

  1. Nom. Dier Jona schreibt. Jona, dier schreibt, …
  2. Gen. Ich schäme mich dies Peters. Peter, dies ich mich schäme, …
  3. Dat. Das gehört diem Sarah. Sarah, diem das gehört, …
  4. Akk. Du brauchst dien Sascha. Sascha, dien ich brauche, …
Fälle: 1. Nom. 2. Gen. 3. Dat. 4. Akk.
Personalpronomen dier dies diem dien

Die grammatikalischen Geschlechter

Ich habe mich schon einige Male auf das generische Maskulinum bezogen. Das liegt vor, wenn männliche Bezeichnungen oder Pronomen auch zur Bezeichnung von gemischten Gruppen verwendet werden oder allgemein von Menschen gesprochen wird, z.B. die Zauberer. Das generische Maskulin wird auch in der Einzahl verwendet, wenn eine nicht näher bestimmte Person gemeint ist, z.B. Zauberer gesucht.

Die Frauen seien bei der Verwendung dieser Form mitgemeint. Studien haben jedoch gezeigt, dass Menschen beim Lesen oder Hören des generischen Maskulinums, Frauen oft nicht mitdenken. Das passiert, obwohl grammatikalisches Geschlecht (Genus) und natürliches Geschlecht [10] (Sexus) im Deutschen unabhängig voneinander gelten. Es gibt bisher drei Genera:

  • Femininum
  • Maskulinum
  • Neutrum

Lena Schimmel [3] hat zwei weitere grammatikalische Geschlechter vorgeschlagen: ein allgemeines Genus, genannt Generikum und ein weiteres Genus, das Anderum, für alle jenseits von männlich und weiblich:

[…denn es gibt Menschen, die weder weiblich noch männlich sind und die (völlig zu recht) ihr Geschlecht dennoch als etwas eigenständiges ansehen…]

Ich finde die Unterscheidung dieser beiden Formen sehr wichtig. Ich will angelehnt an die Namen der bestehenden Genera zwei andere Bezeichnungen vorschlagen:

  • Aliudum (von aliud , lateinisch für ‚etwas anderes‘)
  • Generalium (von generalis, lateinisch für ‚allgemein‘)

Das herkömmliche Symbol für das Neutrum ist ein Kreis. Für das Femininum wird ein Kreis mit unten angehängtem Strich und einem Querstrich über den Strich verwendet. Das Maskulinium wird mit einem Kreis von dem ein nach rechts oben zeigenden Pfeil abgeht, symbolisiert. Für das neue Genus, Aliudum, schlage ich ein neues Symbol vor und zwar ein Kreis von dem ein Strich nach links oben weggeht, der mit einem Stern bestehend aus zwei zusätzlichen Strichen endet. Das neue Genus, Generalium, bekommt einen Kreis mit Strich nach unten und Querstrich, mit Pfeil nach rechts oben und Strich und Stern nach links oben. Zusätzlich befinden sich zwischen diesen Elementen noch kürzere Striche am Kreis um noch mehr Vielfalt zu symbolisieren.

 

Die Pronomen ohne Geschlecht können sowohl für Aliudum als auch für Generalium verwendet werden und das kann sich ja noch ändern.

Substantive

Da ich 2009 schon einige Arten kannte, Substantive mit vielen Geschlechtern und Substantive ohne Geschlecht zu bilden, habe ich keine neuen erfinden wollen. Die zwei Formen mit Platzhaltern gefallen mir sehr gut. Diese Substantive benötigen geschlechtsneutrale Pronomen und waren einer der Gründe, die alternativen Pronomen zu entwickeln.

Danach werde ich kurz das BinnenI und die Sylvain-Konvention [11] mit seinem neuen Genus, dem Indefinitivum vorstellen.

Der Gender_gap

Der Unterstrich, auch gender gap [12] genannt, ist wie ein kleiner Graben zwischen dem Stamm und der Endung des Wortes. Im Graben zwischen den beiden ist zusätzlicher Platz. Dieser Zwischenraum steht symbolisch für die Vielfalt neben der maskulinen und femininen Form. Wobei zumeist das Wort vor dem Unterstrich dem Maskulinum entspricht und alles nach dem Unterstrich der Endung im Femininum entspricht.

Dier Zauber_in nimmt xiesen Hut ab.

Der Unterstrich funktioniert auch bei anderen Wortarten.

Das Sternchen

Außerdem gibt es das Sternchen, *, das an Stelle der Endung an Wörter gehängt werden kann. Auch der Stern drückt Vielfalt aus und ist an die Verwendung des * bei Suchfunktionen angelehnt.

Dier Zauber* nimmt xiesen Hut ab. (Zauber* wird als Zauberstern gelesen.)

Das BinnenI

Dann gibt es noch das BinnenI, was mittlerweile gut verbreitet ist und in offiziellen, geschlechtergerechten Texten und in Zeitungen verwendet wird. Es wird seit Anfang der 1980er Jahre benutzt. Wenn es mit der Mehrzahl benutzt wird, sind keine besonderen Pronomen und keine neuen grammatikalischen Strukturen notwendig. In der Einzahl können auch Buchstaben in anderen Wörtern groß geschrieben werden.

Die ZauberInnen nehmen ihren Hut ab.

DiEr huttragendeR ZauberIn nimmt den Hut ab.

Beim BinnenI wird kritisiert, dass es die Aufteilung der Menschen in zwei Geschlechter verstärkt und keinen Platz für alle anderen hat.

Die Sylvain-Konvention

Das Indefinitivum der Sylvain-Konvention stellt einen kompletten Satz neuer Endungen für eine Vielzahl von Wörtern zur Verfügung. Den Hintergrund zum Indefinitivum und seine Pronomen findet gibt es im Kapitel Was andere machen .

Din Zaubernin nimmt nimsen Hut ab.

Was andere machen

In den letzten Jahren habe ich immer wieder nach Menschen gesucht, die sich auch mit geschlechtsneutralen Pronomen beschäftigen. Es gibt da mittlerweile Einige. Ich will einige Möglichkeiten hier im Vergleich darstellen. So stehen die verschiedene Formen nebeneinander und ihr könnt die für euch passende aussuchen.

Xier packt xiesen Koffer

Hier die neuen Pronomen in einer Übersicht zum Vergleich, jeweils in allen vier Fällen:

Personalpronomen Artikel Possessivpronomen [13]
xier xies xiem xien dier dies diem dien xieser xieses xiesem xiesen

Experimentierwerkstatt

Ein Satz Pronomen ging aus einer Experimentierwerkstätte auf der Trans*Tagung Berlin, 2007 hervor [14]:

nin Gen. nim nin din dine dim dinen nims nimses Dat. Akk.

Sylvain-Konvention

Die Pronomen aus der Experimentierwerkstatt wurden in der Sylvain-Konvention weiterentwickelt und mit diesem Namen in einem Science-Fiction Roman <a title=“Cabala de Sylvain, Wandelnde – Jungle Juice, Manuskript.“ href=“#Referenz“>[15] verwendet. Das neue grammatikalische Geschlecht, das Infinitivum, ist auch eine Kombination aus Generalium und Aliudum. Die Grammatik [11] ist umfangreicher als die folgenden Beispiele:

nim nimser nim nin din dins dim din nimsin nimsins nimsem nims

High on Clichés

Esme Grünwald überlegt sich immer dann neue Pronomen, wenn sie* die für einen Text in ihrem* Blog, High on Clichés, benötigt. Im Glossar des Blogs[16] finden sich eine Vielzahl unterschiedlicher Pronomen, die so seit 2011 entstanden sind. In der folgenden Übersicht habe ich nur die Pronomen aufgeführt, die meinen eigenen entsprechen. Im Relativsatz wird di:er übrigens zu ki. Außerdem bleiben Lücken, wo Esme Grünwald eben die Pronomen noch nicht brauchte.

hän sires sim sin di:er desren Dat. Akk. sir sires sirem siren

Christian Siefkes

Weil das in einem utopischen Text[17] besser passt, benutzt Christian Siefkes nicht nur geschlechtsneutrale Pronomen, sondern eine umfangreiche neue Grammatik:

sei seis seim sei die der der die Nom. Gen. Dat. Akk.

Fremdbezeichnung oder Selbstbezeichnung

Auf der einen Seite können Pronomen ohne Geschlecht als Generalium benutzt werden. Dann gelten sie für alle und jeden und bieten einige Vorteile was Verständlichkeit und Gerechtigkeit angeht, im Gegensatz zum generischen Maskulinum.

Auf der anderen Seite können sie als Aliudum als Selbstbezeichnung für Menschen dienen, die zwischen den Geschlechtern stehen. Wenn ich weder sie noch er für mich benutzen möchte, kann xier oder ein anderes Pronomen ohne Geschlecht eine Alternative sein.

Hierbei ist wichtig zu beachten, dass es dabei um eine Selbstbezeichnung geht, die sich einzelne Menschen selbst geben. Ich finde es wichtig, die Selbstbezeichnungen von Menschen zu respektieren, gerade in Bezug auf ihre bevorzugten Pronomen.

Es geht zum Beispiel nicht darum, ein Pronomen speziell für Menschen auf dem Trans*Spektrum zu erstellen. Es gibt Menschen, die bewusst zwischen den beiden Geschlechtern, männlich und weiblich, stehen und das auch sprachlich ausdrücken wollen, aber andere Menschen mussten gerade für die Benutzung ihres geschlechtsspezifischen Pronomens kämpfen und sollten mit dem auch angesprochen werden. Bei Pronomen muss ich eben vorher nachfragen, statt nach meinem Gutdünken ein Pronomen auszuwählen, das wäre eine Fremdbezeichnung.

Und weiter

Wenn es alle beiden Arten von Pronomen ohne Geschlecht gäbe, Generalium und Aliudum, wäre meine Zukunftsvision, das Generalium grundsätzlich für alle zu verwenden, es sei denn ich spräche über Situationen, wo die Angabe des Geschlechts einer oder vieler Personen wichtig ist. Dann würde ich Femininum, Maskulinum oder Aliudum benutzen.

Ich denke, Sprache hat Macht. Veränderte Verhältnisse brauchen eine neue Sprache. Sprache ist jedoch nicht nur ein Spiegel der Verhältnisse, sondern schafft auch neue Wirklichkeiten. Und ich genieße den Raum, den mir xier, dier und xieser geben. Und ich freue mich, wenn es anderen auch mehr Platz schafft.

Andrzej hat in xierem tollen Zine Pronomen ohne Geschlecht benutzt [1]:

[… Als jemand, dier sich viel in queerfeministischen Kontexten aufhält, schien es mir …]

Rae Spoon ist Musik_erin, Schriftstell_erin und macht Workshops. Xier benutzt in xieser Muttersprache, Englisch, das geschlechtsneutrale Pronomen they. Ich mag xiese Musik und vor allem die Art, wie xier schreibt. Die Musikzeitschrift Visions[18] schreibt über xien:

[…Rae Spoon mag lieber they und hat für unseren Artikel die deutsche Version xier abgenickt, die von Anna Heger stammt, aber lange noch nicht etabliert ist…]

Ob sich xier, dier und xieser etablieren oder andere Pronomen ohne Geschlecht, ich hoffe, dass sich Pronomen ohne Geschlecht so weitläufig wie das BinnenI ausbreiten werden.

Ich freue mich auch über Anregungen, Links zu anderen deutschen geschlechtsneutralen Grammatiken. Wenn ihr xier, dier und xieser verwendet, schickt mir doch euer Feedback.

Abspann

Xier packt xiesen Koffer
Transkription des ComicZineHeftchen über Pronomen ohne Geschlecht
Pronomen ohne Geschlecht Version 3.2

Text: Anna Heger
Lektorat: Doro Hugle, Benedikt Wolf, Noah Munier, Miri

Fußnoten und Quellen

  1.  Wer „A“ sagt muss nicht „B“ sagen – Ein sexpositives Zine über A_sexualität, asexyqueer.blogsport.de/.
  2.  In eckigen Klammern befindet sich die Lautschrift mit dem Internationalen Phonetischen Alphabet, IPA. Damit können Laute und Klänge fast aller Sprachen beschrieben werden.
  3. Geschlechtsneutrale Sprache als Chance betrachten statt als Zwang, Lena Schimmel, 2012, www.lenaschimmel.de/neutral.
  4. A General & Specific Discussion – of Gender-Neutral Alternatives to Gendered Pronouns, John Williams, Including Answers to Frequently Asked Questions, Version 0.9.13-30 April, 2004, www.aetherlumina.com/gnp/history.html .
  5. They with Singular Antecedent, American Heritage Book of English Usage: A Practical and Authoritative Guide to Contemporary English, 1996. (via en.wikipedia.org).
  6. Kivi och Monsterhund, Jesper Lundquist, Bettina Johansson, Olika Förlag, 2012.
  7. Die vier Fälle sind Nominativ (1.), Genitiv (2.), Dativ (3.) und Akkusativ (4.).
  8. Genus ist das Fachwort für das grammatikalische Geschlecht eines Wortes, z.B. Femininum.
  9. Freund* oder Freund_in sind Substantive ohne Geschlecht, beziehungsweise mit vielen oder allen Geschlechtern.
  10. Konzepte wie „natürliches Geschlecht“ sind mit Vorsicht zu genießen.
  11. Die Sylvain-Konventionen – Versuch einer geschlechtergerechten Grammatik – Transformation der deutschen Sprache, Cabala de Sylvain, Carsten Balzer, Liminalis, 2008, www.liminalis.de/2008_02/Liminalis-2008-Sylvain-Balzer.pdf .
  12. Performing the Gap – Queere Gestalten und geschlechtliche Aneignung, Steffen Kitty Herrmann, arranca! Nr.28, www.arranca.org/ausgabe/28/performing-the-gap .
  13. Hier nur solche Possessivpronomen, die sich auf ein Objekt ohne Geschlecht beziehen.
  14. via Lieb[schtean] Les[schtean], [schtean] du das gerade liest…, Persson Perry Baumgartinger, Liminalis, 2008, www.liminalis.de/2008_02/Liminalis-2008-Baumgartinger.pdf .
  15. Cabala de Sylvain, Wandelnde – Jungle Juice, Manuskript.
  16. Esme Grünwald, Glossar, High on Clichés, highoncliches.wordpress.com/glossar/
  17. Freie Quellen oder wie die Produktion zur Nebensache wurde, im Sammelband Etwas fehlt Utopie, Kritik und Glücksversprechen, Christian Siefkes, jour fixe initiative berlin (Hg.), edition assemblage, Münster, 2013, www.keimform.de/2013/freie-quellen-1/ .
  18. Gender Special – M & F und alle, die wir kennen, Visions – Musik aus Leidenschaft, Nr. 232, 2012, www.visions.de/ , Gender-Special_1.pdf

Workshop : Pronomen ohne Geschlecht : Düsseldorf

Zusammenfassung

Mein erster Workshop zum Thema geschlechtsneutrale Grammatik „Xier packt xiesen Koffer – Pronomen ohne Geschlecht und alternative deutsche Grammatik“ hat am Samstag, den 3.08.2013 auf dem Togetherfest in Düsseldorf voll gut funktioniert.

Wie der Workshop lief

Die Vorbereitung bestand nach dem Aufstellen eines Konzeptes im Zeichnen und Texten eines ComicZineHeftchens. Das ist auch in der Woche vor dem Workshop fertig geworden. Die Illustrationen dienten im Workshop dazu dass die Zuhörenden den Überblick über die vielen neuen Pronomenendungen nicht verliert.

Es gab nicht so viel Diskussionen, wie ich erwartet hatte. Nach Aussage der Workshopteilnehmenden schwirrten noch viele neue Endungen im Kopf herum. Naja, die Possessivpronomen mit vier Fällen und dem Bezug auf zwei Menschen sind schon was. Jasna L. Strick hat noch von den alternativen Endungen, -i und -u, für geschlechtsneutrale Substantive erzählt. Wie die entstanden sind recherchier ich gerade.

Workshopbeschreibung

Ich denke, dass Sprache nicht wertfrei, sonder ein Spiegel der Verhältnisse ist. Veränderte Verhältnisse brauchen eine veränderte Sprache. Ganz oft werde ich genau dort verändern wollen wo es nicht mehr auszuhalten ist und wo mir etwas fehlt. Pronomen ohne Geschlecht haben mir im Deutschen gefehlt.

Während des Workshops werde ich eine Alternative zu „er“ und „sie“ vorstellen, aber auch darüber reden warum ich grammatikalische Alternativen haben will. Es gibt eine kurze Einführung zur nötigen Grammatik, damit klar wird wie xier, xieser und dier in die herkömmliche Sprache passen. Ich will aber auch mit Euch Pronomen ausprobieren, weitere Möglichkeiten erfinden und Diskutieren. Diskutieren möchte ich über emanzipatorische Sprache, darüber was Ihr Euch persönlich davon erhofft und wie ich anderen das Zuhören und Mitlesen erleichtern kann.

Pronomen ohne Geschlecht 3.1

Prolog

Diese Woche ist in dier Queerulant_in Nummer 4 ein Artikel von mir über die Pronomen ohne Geschlecht erschienen. Diesen Text könnt ihr auf der Webseite dies Queerulant_in, in der gedruckten Ausgabe auf Papier oder hier in diesem Blogartikel im folgenden lesen. Außerdem wurde der Artikel am 28.5.2013 auf dem Blog der Mädchenmannschaft querveröffentlicht, dort wird er auch diskutiert.

Die aktuelleste Version der Pronomen ohne Geschlecht gibt es auf der Übersichtsseite.

Queerulant_in Mai 2013 – Jahrgang 2, Ausgabe 1, Nummer 4
Pronomen ohne Geschlecht
Beitrag von AnnaHeger.

Zusammenfassung

Pronomen brauchen nicht zwangsläufig ein Geschlecht. Ich finde es unsinnig bei jeder Erwähnung eines anderen Menschen das Geschlecht anzugeben. Sächliche Pronomen möchte ich für Menschen nicht verwenden. Ich wollte 2009 also selber die Pronomen ohne Geschlecht festlegen, weil ich damals in der deutschen Sprache keine solchen kannte.

Pronomen ohne Geschlecht kenne ich im Englischen schon viele Jahre: ze, gesprochen wie in dem Wort New Zealand, wird anstatt she|he und hir, gesprochen wie in dem Wort here, wird anstatt von her|his verwendet.

Ze hirself calls hir friend. [deutsche Übersetzung: Sie|er ruft ihren|ihre|seine|seinen Freundin|Freund selber an.]

In Schweden gibt es zusätzlich zu „han“ (er) und „hon“ (sie) das genderneutrale Pronomen „hen“ [1]. Das neue Wort wurde schon 2009 in die in die schwedische Nationalenzyklopädie aufgenommen. Letztes Jahr gab es Diskussionen über das Geschlecht der Pronomen nachdem „hen“ in einem Kinderbuch verwendet wurde [2].

Im Deutschen fehlten mir genau solche Pronomen. Also habe ich zusammen mit anderen [3] welche entwickelt. Um den Überblick zu erleichtern, werden im folgenden die Worte ohne Geschlecht fett und die geschlechterspezifischen Worte durchgestrichen dargestellt.

xier – ein Personalpronomen, statt sie|er
dier – ein Artikel und ein Relativpronomen, statt die|der
xies – ein Possessivpronomen, statt ihr|sein

Das x am Wortanfang wird wie für ein x typisch entsprechend der phonetische Lautschrift [ks] [4] ausgesprochen. Die Pronomen xier und dier reimen sich auf das Wort Tier. Xies reimt sich auf das Wort lies. Die phonetische Lautschrift der drei neuen Wörter ist [ksi:ɐ̯], [di:ɐ̯] und [ksi:z].

So einfach wie im Englischen ist es jedoch nicht, da die Pronomen in die deutsche Grammatik mit ihren vier Fällen passen müssen. Es braucht also 4 neue Personalpronomen. Und 4 Artikel, beziehungsweise Relativpronomen. Und noch 16 Possessivpronomen. Das heißt es gibt 24 neue Pronomen, die und deren Verwendung ich mir merken muss. Es ist eine Alternative nur mit xier, dier und xies loszulegen. Grade beim Sprechen kann ich kreativ entscheiden wie ich die Pronomen ohne Geschlecht in die vorhandene grammatikalische Struktur einpasse.

Egal ob ich kreativ mit 3 Pronomen arbeite oder mir den kompletten Satz von 24 Formen einpräge, ich finde die neuen Pronomen lohnen sich, weil ich endlich Dinge sagen kann, die ich vorher nicht ausdrücken konnte. Die Antwort auf die Frage warum folgt in den nächsten Zeilen.

Wozu genau brauche ich die Pronomen ohne Geschlecht?

Grund 1

Ich will sie verwenden wenn das Geschlecht in einem bestimmten Zusammenhang keine Rolle spielt. Ich finde den generischen Maskulin, also die Verwendung der maskulinen Form als der allgemeinen, sexistisch. Wenn ich im Allgemeinen nicht in der Mehrzahl reden möchte, brauche ich eine neutrale Alternative. Geschlechtsspezifische Pronomen machen jedoch im Rahmen von feministischem Aktivismus sehr viel Sinn. Dort geht es ja um Geschlecht. In vielen anderen Zusammenhängen aber eben nicht.

Grund 2

Es gibt Menschen, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zuordnen wollen oder können. Pronomen ohne Geschlecht können für Menschen abseits der beiden Pole weiblich und männlich zu mehr Sichtbarkeit führen. Wie beim Unterstrich, _, und dem Sternchen, *, in Substantiven [5] habe ich damit einen weiteren Teil Sprache/Grammatik um über Frauen, Männer und alle Anderen im allgemeinen reden zu können.

Als Zukunftsvision sehe ich Pronomen ohne Geschlecht als Standard, der immer verwendet werden kann. Wenn ich mein Gegenüber besser kenne kann ich nachfragen welches nichtneutrale Pronomen xier gern für sich benutzt. Das nimmt den Rechtfertigungsdruck von den Menschen außerhalb der Zweigeschlechtlichkeit.

Deklination

Die Endungen der Pronomen orientieren sich an den Endungen der Fragewörter, _r|_s|_m|_n. Wenn ich die neuen Wörter im richtigen Fall benutzten möchte, muss ich am Anfang sowieso immer für mich nachfragen: wer|wessen|wem|wen. Die Personalpronomen in der dritten Person sie|ihrer|ihr|sie und
er|seiner|ihm|ihn werden mit xier|xies|xiem|xien ergänzt. Zusätzlich zu bestimmten Artikeln die|der|der|die und der|des|dem|den entstehen so dier|dies|diem|dien.

1.Fall: Wer schreibt? Dier Jona schreibt. Xier schreibt.
2.Fall: Wessen schäme ich mich? Ich schäme mich dies Peters. Ich schäme mich xies.
3.Fall: Wem gehört das? Das gehört diem Sarah. Das gehört xiem.
4.Fall: Wen brauchst du? Du brauchst dien Sascha. Du brauchst xien.

Xier ist ein Personalpronomen, das ich brauche wenn ich über Dritte rede. Dier ist ein Artikel und kann auch als Relativpronomen für Nebensätze benutzt werden. Seit ich in Süddeutschland lebe, benutze ich Artikel vor jedem Namen wenn ich über Menschen rede. Ich mag es, weil es eine Nähe zu der Person ausdrückt und es klingt in meinen Ohren freundlicher. Aber es bedeutet auch dass bei jeder Erwähnung eines Namens noch mal klargestellt wird „Die Susanne ist eine Frau“ oder „Der Peter ist ein Mann!“

Mit dem Possessivpronomen wird Besitz oder Zugehörigkeit ausgedrückt. Für die 3. Person der Possessivpronomen wird der Stamm (erster Teil des Pronomens) nach Geschlecht (Genus) der Besitzenden unterschieden, also ihr_|sein_. An diese Stelle tritt xies_, was wie bei den beiden herkömmlichen Formen an den Genitiv (2.Fall) des Personalpronomens angelehnt ist. Die Endungen sind dieselben, die sonst an ihr_|sein_ angehängt werden, je nachdem ob das was jemand besitzt grammatikalisch feminin, maskulin oder neutral ist. Zum Beispiel:

Xier ruft noch xiese Freundin und xiesen Freund.

Außerdem braucht es noch einen weiteren Satz Endungen für den Fall, dass es sich eben nicht um die Freundin oder den Freund sondern um dier Freund* oder dier Freund_in handelt [5]. Die Endungen bei Subjekten ohne Geschlecht leiten sich auch von den entsprechenden Fragewörtern ab: _er|_es|_em|_en [6].

1.Fall: Xieser Freund*, xiese Freundin, xies Freund und xies Kind schreiben.
2.Fall: Xier schämt sich xieses Freund*, xieser Freundin, xieses Freundes und xieses Kindes.
3.Fall: Das gehört xiesem Freund*, xieser Freundin, xiesem Freund und xiesem Kind.
4.Fall: Xier suche xiesen Freund*, xiese Freundin, xiesen Freund und xies Kind.

Was andere erdachten

Nachdem wir damals unsere Pronomen entwickelt hatten, habe ich noch mal gründlicher nach deutschen Pronomen ohne Geschlecht recherchiert. Der Mädchenblog [7] gibt ein Einführung und Übersicht zu alternativen Pronomen ohne Geschlecht. Eine weitere Alternative habe ich bei Esme Grünwald auf dem Blog, High on Clichés, im Glossar gefunden. Es gibt Überschneidungen mit früheren Versionen der Pronomen ohne Geschlecht, außerdem werden weitere Pronomenarten berücksichtigt [8].

Ich denke nicht das Sprache an sich wertfrei ist. Ich denke auch nicht dass es möglich ist sie wertfrei zu verwenden. Eher ist sie Spiegel der Verhältnisse. Veränderte Verhältnisse brauchen eine neue Sprache. Ich finde es gut zu verändern wo es möglich ist und ganz oft werde ich genau dort verändern wollen wo es nicht mehr auszuhalten ist und wo mir etwas fehlt.

Meine aktuellen Pronomen ohne Geschlecht gibt es auf: http://annaheger.de/pronomen/.

Links

[1] Link
[2] „Kivi och Monsterhund“, Jesper Lundqvist, 2012
[3] Den ersten Satz Pronomen habe ich 2009 mit Sarah Hill zusammengestellt. Nach Diskussionen mit Liliane Gross, habe ich 2012 den Anfangsbuchstaben von s auf x geändert. Der Buchstabe selbst hat eine Platzhalterfunktion, die gut zu den Pronomen ohne Geschlecht passt.
[4] Die Aussprache wird in eckigen Klammern mit dem Internationalen Phonetischen Alphabet (IPA) angegeben.
[5] Der Stern ist auch ein Platzhalter und drückt damit Vielfalt aus. Aus Freund|Freundin wird Freund*. Er ist an die Verwendung des * bei Suchmaschinen angelehnt. Beim Unterstrich von Steffen Kitty Herrmann (in “Performing the Gap – Queere Gestalten und geschlechtliche Aneignung” in arranca! Nr.28) steht der Zwischenraum für die Vielfalt neben der maskulinen und femininen Form zum Beispiel bei Freund_in.
[6] Eine Alternative ist die Verwendung eines anderen Vokals in der Endung. Damit wäre diese stärker von den maskulinen Endungen abgegrenzt: ir|is|im|in (Xiesir Freund*), är|äs|äm|än (Xiesär Freund*).
[7] Link
[8] Link zum Glossar, Link zum Artikel

Pronomen ohne Geschlecht 2.0

Einleitung

Die aktuelle Version der Pronomen ohne Geschlecht gibt es auf der Pronomenseite.

Sarah Hill und ich haben Anfang 2009 begonnen geschlechtsneutrale Pronomen zu entwickeln. Sie sind sinnvoll wenn ich über Menschen rede, deren Geschlechtzuschreibung oder Nichtgeschlechtzuschreibung mir nicht bekannt ist. Die geschlechtsneutralen Form löst die männliche Form als allgemeine Form ab.

Die Verwendung der geschlechtsneutralen, allgemeinen Form macht auch Sinn, wenn Geschlecht im betrachteten Zusammenhang unwichtig ist und jegliche geschlechtlichen Verortungen mit gemeint sind.

Außerdem werden sie verwendet wenn sich eine Person explizit nicht dem weiblichen ODER dem männlichen Geschlecht zuordnen will oder kann. Das könnte für Personen abseits der beiden Pole weiblich und männlich zu mehr Sichtbarkeit führen.

Die Idee geschlechtsneutraler Pronomen ist nicht neu (Literatur und Links). Die Existenz geschlechtsneutraler Pronomen, die für die englische Sprache entwickelt worden hat mich bestärkt solche auch für die deutsche Sprache zu finden.

Hier die überarbeitete Übersicht der geschlechtsneutralen Pronomen (Version 2.0). Sie werden mit langem „i“ gesprochen.

Personalpronomen

Personalpronomen (sie/er) ersetzen die Namen von einzelne Personen. Es gibt 4 Fälle (sie, ihrer, ihr, sie / er, seiner, ihn, ihm ). Die Endungen der Pronomen leiten sich von den Endungen (-r, -s, -m, -n) der zugehörigen Fragewörter ab:

  1. Wer schreibt? Sier liest und schreibt.
  2. Wessen schäme ich mich? Ich schäme mich sies.
  3. Wem gehört das? Das gehört siem.
  4. Wen brauchst du? Du brauchst sien.

Possesivpronomen

Possesivpronomen (ihr/sein) ersetzen die Namen von einzelne Personen in besitzanzeigenden Zusammenhängen. Der Stamm des Possesivpronomens bezieht sich auf  das Geschlecht der Person, die das Pronomen ersetzt, und die Endung  auf den entsprechenden Fall (ihre, ihrer, ihrer, ihre) und das Geschlecht der Person, die dem Possesivpronomen folgt (ihrer/ihrem).

  1. Wer schreibt? Sienir Kolleg*, siene Kollegin und sien Kollege lesen und schreiben.
  2. Wessen schäme ich mich? Ich schäme mich sienis Kolleg*, siener Kollegin und sienes Kollegen.
  3. Wem gehört das? Das gehört sienim Kolleg*, siener Kollegin und sienem Kollegen.
  4. Wen brauchst du? Du brauchst sienin Kolleg*, siene Kollegin und sienen Kollegen.

Demonstrativpronomen

Demonstrativpronomen, die Artikel (die/der) werden im süddeutschen Raum vor Namen verwendet. Sie sollen nicht den Menschen „versächlichen“, sondern persönliche Nähe ausdrücken. Und es gibt sie auch in 4 Fällen (die, der, der, die / der, des, dem, den):

  1. Wer schreibt? Dier Jona liest und schreibt.
  2. Wessen schäme ich mich? Ich schäme mich dies Peters.
  3. Wem gehört das? Das gehört diem Sarah.
  4. Wen brauchst du? Du brauchst dien Sascha.