Workshop : Pronomen ohne Geschlecht : Göttingen

Ort und Zeit

Am Samstag, den 02.07.2016 werde ich wieder einen Pronomenworkshop halten. Ich wurde von der Fachgruppe Geschlechterforschung der Georg-August-Universität Göttingen eingeladen, Facebookankündigung.

Ort: Göttingen, Goßlerstraße 1, AStA Seminarraum, unten
Zeit: 2.7.2016, 16-18 Uhr

Workshopbeschreibung

Pronomen ohne Geschlecht – xier, xiese und dier – eine Alternative

Die deutsche Sprache zwingt uns, Geschlechter zu markieren wenn wir über Dritte sprechen, ob wir wollen oder nicht. Wir müssen eines der beiden herkömmlichen Geschlechter auswählen – auch in Fällen, wenn das Geschlecht nicht relevant ist oder die Person selbst weder männlich noch weiblich ist. Es gibt weder ein allgemeines noch alternative Pronomen.

Anna Heger gibt im Workshop eine Einführung zur nötigen Grammatik um xier (sie,er), xiese (seine, ihre) und dier (die,der) zu benutzen und zu deklinieren. Xier lädt die Teilnehmenden zu einer Diskussion über emanzipatorische Sprache und über Fremd- und Selbstbezeichnung ein.

In xiesem ComicZineHeftchen zum Thema schrieb xier: „Ich denke, dass Sprache nicht wertfrei, sondern ein Spiegel der Verhältnisse ist. Veränderte Verhältnisse brauchen eine veränderte Sprache. Ganz oft werde ich genau dort verändern wollen, wo es nicht mehr auszuhalten ist und wo mir etwas fehlt.“

Zweiseiter : Jungs gucken

Worum es im transkribierten Comic geht

Menschen bewerten das Aussehen anderer auf unterschiedliche Weisen, ist ja klar. Das Comic basiert auf einer wahren Geschichte, die mich schon ein paar Jahre immer wieder zum Schmunzeln bringt wenn ich daran denke. Ein paar Details habe ich geändert, zum Beispiel den Ort. Auf dem Boxhagener Platz und in der Umgebung bin ich zwar aufgewachsen, aber die Geschichte ist in München passiert und nicht in Berlin.

Das Comic wurde zuerst analog angefertigt und zwar mit Bleistift auf blauem Karton gezeichnet, mit Tinte geinkt und mit Buntstiften koloriert. Der Text wurde digital mit meinem Handschriftfont angelegt. Dieser Zweiseiter erschien auch in Queerulant_in Nummer 8. Worte & Bilder & Transkription : Anna Heger, 2014-2016

Transkription des Comics Jungs gucken

  1. Ich und Matthias schoben unsere Fahrräder einen Weg im Park entlang. Ich: “Ich will Schoko”
    Matthias: “Ich auch.” Matthias kannte ich über Peter mit dem ich damals les-bi-schwule Aufklärung
    in Schulklassen machte. Ein muskulöser Jogger lief an uns beiden vorbei und wir drehten beide den
    Kopf nach ihm um.
  2. Zusammen guckten wir oft nach Jungs. Wir liefen an der Liegewiese vor bei und Matthias zeigte
    auf jemanden: “Der mit dem Nasenpiercing gefällt mir.” “Oh, ja.”, antwortete ich.
    Ich liefe vor zum Eisverkaufsdreirad. Die drei bunten Luftballons bewegten sich im Wind. Ich rief
    zu Matthias, der die Fahrräder anschloss: “Willste auch beides?”
  3. Matthias saß gemütlich auf der Bank. Ich brachte unser Eis mit Schoko und Schoko-Ingwer rüber.
  4. Ich: “Boah, lecker!” Wir schauten weiter nach den Leuten die auf der Wiese saßen. “So
    grundsätzlich…”, fragte mich Matthias, “wen findest Du eigentlich attraktiv?”
  5. Ich: “Ich mag maskulines Aussehen von Frauen und auch ihre butche Energie und feminine
    Männer. Da soll so eine gewisse Balance sein.” Ein Typ mit kleinem süßem Hündchen, Hipsterbart
    und Kaschmirpullover verdrehte unsere Köpfe als er vorbei kam. Ich dachte mir: “Na ja, und ich
    mag solche wie mich.” Wörter wie genderqueer oder non-binary kannte ich damals noch nicht.
  6. Matthias grinste: “Also für mich ist das komplett anders. Männer können gar nicht maskulin genug
    aussehen.”
  7. Von oben sah man uns beide auf der Bank sitzen. Matthias fuhr fort: “Ich mag ihre, naja, gelassen
    selbstbewusste Männlichkeit.” Wir drehten uns wirklich immer begeistert nach den gleichen
    Männern um! Wir waren nur noch zwei kleine Punkte da unten im Park und rundherum standen die
    Altbauhäuser von Friedrichshain.

Workshop: Labelwerkstatt Sonntag München

Auf der 9. Trans*Tagung hab ich zweimal ne Labelwerkstatt durchgeführt. Am Samstag habe ich die Zahl der Teilnehmenden auf 16 beschränkt. Eigentlich ist das auch noch zu viel. Weil es so viele Interessenten gab, hab ich die Labelwerkstatt für Sonntag (8.5. 2016) nochmal ausgeschrieben. Ich war nicht so ganz sicher ob ich genug Energie hab, dann war ich aber sehr froh. Der kleine Workshop mit seiner superschönen Dynamik hat mir sehr sehr viel Energie gegeben.

Wir waren nur zu siebent und schon in der Vorstellungsrunde haben einige gesagt, dass sie sich auf den Workshop als nichtbinäre Insel freuen. Alle haben sich mit Namen, Pronomen und nem Label vorgestellt. Naja, Namen und Pronomen sind ja eigentlich auch Label. Das Label hätte kein persönliches sein müssen, aber alle haben ein solches gewählt. Die einen eine passende Selbstbezeichnung, die anderen eine verletzende Fremdbezeichnung. Und schon waren mir mitten drin im Workshop.

Ein Person schlug vor die eigene Labelbiographie zu erzählen. Nach und nach haben das alle Teilnehmenden gemacht. Es war überhaupt so ein unheimlich ruhig und bedachter Workshop. Immer wenn eins fertig war mit sprechen haben alle erstmal ruhig sinnierend dagesessen. So schön.

Wir diskutierten über zusätzliche Achse, zusätzlich zu Mann-Frau und trans-cis, also vielleicht konform-nichtnormkonform. Ansonsten sprachen wir über Geschlecht als Interaktion, als Teil einer Hierarchie, als Beziehung und als Resonanz.

Workshop: Labelwerkstatt Samstag München

Auf der 9. Trans*Tagung hab ich zweimal ne Labelwerkstatt durchgeführt. Die beiden Durchgänge waren sehr unterschiedlich. Das lag natürlich an den Teilnehmenden, aber auch an der Gruppengröße. Ich denke ein Workshop bei dem persönliche Geschichten im Vordergrund stehen funktioniert umso besser desto kleiner die Gruppe. Am Samstag (7.5. 2016) waren es vielleicht doch zu viele.

Die Labelwerkstatt richtet sich an Non-binaries oder Menschen, die sich nicht (nur) einem der beiden binären Geschlechter (männlich, weiblich) zuordnen. Zu Anfang haben sich alle kurz vorgestellt und wir haben mit Labeldefinition an Hand der großen Tüte Labelzettel, die ich mithatte. Die Sammlung gibt es auf Die Liste von Gaenseblumenblog. Im Laufe der Labelwerkstatt tauchten auch noch andere Wörter auf:

  • Urning
  • Nummer Acht (nach Harry Benjamin)
  • Bloss nicht hetero
  • cis bin ich auf keinen Fall
  • Väterin
  • Neuer moderner Mann
  • FtoN (n als mathematisches Zeichen für viele)

In den Gesprächen ging es um die Geschichte von Labeln, um ihre Vergänglichkeit, um Label als Ressource. Gerade für Non-binaries hat die Suche nach einem Label für sich selbst mit einer Suche nach der eigenen Identität zu tun. Und das eigene Label hat immer auch mit den anderen zu tun. Eins der Teilnehmenden sagte: “ Wir sind ja auch der Alltag der Anderen, eigentlich sind wir mittendrin.“

MiniComic 20 : Was ist ein BarCamp?

Worum es im transkribierten Comic geht

Dieses MiniComic ist in Zusammenarbeit mit dem queerfeministischen FemCamp 2014, einem BarCamp in Wien entstanden. Es geht darum des Grundkonzept von Barcamps zu erklären. Im Gegensatz zu meinen bisherigen Transkription habe ich mich für die Markierung der Geschlechtszughörigkeit (trans, cis, genderqueer, Frau, Mann) und der Rassifizierung entschieden (schwarz, asiatisch, weiß). Mir geht es um Sichtbarkeit, zum Teil ist sie aus dem Comic visuell erkennbar, zum Teil nicht. Was haltet ihr von der Umsetzung? Worte & Bilder & Transkription : Anna Heger, 2014

Transkription des Comics: Was ist ein BarCamp?

  1. Das Logo der BarCamps: wie ein nach rechts fliegender Feuerball mit einem Muster aus kleinen Spiralen.
  2. Was ist das tolle an einem BarCamp? Alles ist offen! Also fast alles … Ganz oft gibt es beim BarCamp ein übergeordnetes Thema. Vielleicht gibt es Camping und eine Bar beim BarCamp, aber das ist nicht notwendig.
  3. Ein Orgateam plant Räume, Pausen und eine offene Sessionstruktur. Drei Händen schreiben gemeinsam an den Notizen auf einen Schmierzettel.
  4. Ein Schild mit der Aufschrift: „BarCamp. Räume E, F, G.“ Darauf auch ein Pfeil der in Richtung der Räume zeigt.
  5. Teilnehmer_innen schlagen im ersten Plenum Sessions vor. Eine weisse trans Frau mit langen blonden Haaren, lackierten Fingernägeln und Armbändern schreibt mit der linken Hand einen Sessionvorschlag auf eine Karteikarte.
  6. Sie schlagen zum Beispiel Workshops vor. Eine asiatische cis Frau mit rundem Gesicht, halblangen schwarzen Haaren und einer modischen Mütze schlägt die erste Session vor. Sie lächelt und trägt eine Lederjacke über einem gestreiften Shirt.
  7. Sie schlagen Vorträge vor. Eine schwarze cis Frau mit schmalen, langen Zöpfen, die am Hinterkopf zusammengebunden sind, liest die Beschreibung für ihre Session vom einer Karteikarte ab: Bei Session 8 geht es …
  8. Sie schlagen Diskussionsrunden vor. Eine genderqueere trans Person schlägt seine Session vor. Diese Person ist weiß, hat kurze, wellige, dunkelblonde Haaren und ein kleinen Kinnbart. Die Person trägt das weißes Hemd offen über einem schwarzen Shirt und blickt etwas schüchtern drein.
  9. In einem großen Saal stellen zwei weiße Frauen die verschiedenen Sessions vor. Die eine trägt Rock und Jacket und die andere ein weites, bequemes Oberteil und Jeans. An der Tafel wurden schon einige Karteikarten befestigt sind. Im Publikum sitzen viele Menschen mit verschiedenen Zugehörigkeiten was Geschlecht und Rassifizierung angeht- jedoch ist nur ein Ausschnitt zu sehen, auf dem etwa 10, 15 zu sehen sind. Einige heben die Hand um sich zu melden oder rufen „hier ich “ in die Runde.
    Die cis Frau vor der Tafel, die einen dunklen Rock und ein helles Jacket trägt konstatiert: „okay, 14 Leute“. Die trans Frau mit langen Haaren und einem weiten Oberteil zeigt auf die Tafel und fragt: „Und wer will zu …“.
    Auf dem Plenum entscheidet sich ob und wie viele an den vorgeschlagenen Sessions Interesse haben. Je nach Raumbedarf entsteht das Tagesprogramm.
  10. In einem vergrößerten Ausschnitt der Tafel ist das beschlossene Tagesprogramm für den Nachmittag mit Karteikarten abgebildet. In den Räumen E, F und G finden Sessions mit den folgenden Inhalten statt: Netzpolitik, Sexismus, SexWatch, Far Out, Twitter, Rails Girls, Digital, Aktivismus, Privatsphäre. Auf jeder Karteikarte steht auch der Twittername, der Menschen die sie geben. Ein paar Zeitbereiche auf der Übersicht sind noch frei.
  11. Ein BarCamp ist eine Unkonferenz, es gibt Zeit und Raum für alles was sich sonst zwischen Tür und Angel ergibt. Es geht darum Neues auszuprobieren, Wissen weiterzugeben und vor allem Spaß zu haben.
  12. In den Sessions entstehen neue Ideen für weitere Sessions. Eine weisse cis Frau mit halblangen Haaren sitzt vergnügt neben einer weissen trans Frau mit glatten zurück gekämmten Haaren. Die erstere schlägt der anderen vor: „Du, lass uns das bauen …“. In Gedanken hat sie einen technischen Workshop. Drei Menschen sitzen um einen Tisch, der voll geräumt ist mit Widerständen, einem Schaltplan, einem Lötkolben und weiterem Kleinkram. Eine weisse cis Frau mit Pony und hochgesteckten Haaren beugt sich vor, während sie etwas zusammenschraubt. Rechts von ihr, greift eine weisse genderqueere Person mit unsymmetrischem Haarschnitt nach dem Lötkolben. Außerdem ist eine dritte Person mit langen dunklen Haaren von hinten zu sehen. Sie hält einen Schraubenzieher hoch.
  13. Ein fröhlich drein blickender Holzfrosch mit gemusterter Haut und bestechenden Augen ist vor dem Abspann abgebildet. Es ist der @freefrosch – ein Maskottchen des FemCamps.

Workshop : Pronomen ohne Geschlecht : München

Zusammenfassung

Am Donnerstag, den 27.02.2014, hielt ich den 3. Workshop zu Pronomen ohne Geschlecht im Queerkafe im Tröpferlbad (Kafe Marat) in der Thalkirchnerstraße 102.

Workshopbeschreibung

Xier packt xiesen Koffer – Pronomen ohne Geschlecht: Anna Heger

Die deutsche Sprache zwingt uns, Geschlechter zu markieren wenn wir über Dritte sprechen, ob wir wollen oder nicht. Wir müssen eines der beiden herkömmlichen Geschlechter auswählen – auch in Fällen, wenn das Geschlecht nicht relevant ist. Es gibt weder ein allgemeines noch alternative Pronomen.

Anna Heger wird in xiesem Workshop eine Alternative zu “er” und “sie” vorstellen, die xier entwickelt hat. In xierem ComicZineHeftchen zum Thema schreibt xier: „Ich denke, dass Sprache nicht wertfrei, sondern ein Spiegel der Verhältnisse ist. Veränderte Verhältnisse brauchen eine veränderte Sprache. Ganz oft werde ich genau dort verändern wollen, wo es nicht mehr auszuhalten ist und wo mir etwas fehlt. Pronomen ohne Geschlecht haben mir im Deutschen gefehlt.“

Anna Heger gibt im Workshop eine kurze Einführung zur nötigen Grammatik, damit klar wird, wie xier, xieser und die anderen in die herkömmliche Sprache passen. Xier lädt die Teilnehmenden zu einer Diskussion über emanzipatorische Sprache ein, über die Hoffnungen und Verwirrungen, die damit verbunden sind und über die Frage, wie das Zuhören und Mitlesen erleichtert werden kann.

Workshop : Pronomen ohne Geschlecht : Zürich

Wie der Workshop lief

Der zweite Workshop, Xier packt xiesen Koffer ist super gelaufen. Er fand bei Les Complices* in Zürich statt. Ich habe aus dem ComicZineHeftchen gelesen und viel erzählt.

Workshopbeschreibung:

Xier packt xiesen Koffer – Pronomen ohne Geschlecht: Anna Heger
Einleitung und Moderation: Chris Caprez

Die deutsche Sprache zwingt uns, Geschlechter zu markieren, ob wir wollen oder nicht. Wir müssen eines der beiden herkömmlichen Geschlechter auswählen – auch in Fällen, wenn das Geschlecht nicht relevant ist. Es gibt weder ein allgemeines noch alternative Pronomen.

Anna Heger wird in xiesem Workshop eine Alternative zu “er” und “sie” vorstellen, die xier entwickelt hat. In xierem ComicZine Heftchen zum Thema schreibt xier: „Ich denke, dass Sprache nicht wertfrei, sondern ein Spiegel der Verhältnisse ist. Veränderte Verhältnisse brauchen eine veränderte Sprache. Ganz oft werde ich genau dort verändern wollen, wo es nicht mehr auszuhalten ist und wo mir etwas fehlt. Pronomen ohne Geschlecht haben mir im Deutschen gefehlt.“

Anna Heger gibt im Workshop eine kurze Einführung zur nötigen Grammatik, damit klar wird, wie xier, xieser und die anderen in die herkömmliche Sprache passen. Xier lädt die Teilnehmenden zu einer Diskussion über emanzipatorische Sprache ein, über die Hoffnungen und Verwirrungen, die damit verbunden sind und über die Frage, wie das Zuhören und Mitlesen erleichtert werden kann.

Anna Heger zeichnet politische und biographische Comics. Die gibt es gedruckt und online auf xiesem Blog www.annaheger.de. Xier selber ist unter anderem poly, feministisch, trans*, queer und bi.

Pronomen ohne Geschlecht 3.2

Zusammenfassung

Die Pronomen ohne Geschlecht in der Version 3.2 ist fertig. Natürlich gibt es sie als reine Textversion. Die Version mit den visuellen Inhalten ist ein Comiczineheftchen im visuellen Webseitenbereich.

Diese Transkription in reinen Text hat mit Hyperlinks und Erklärtext für die schwebende Maus. Durch schweben mit der Maus über der verlinkten Zahl werden die Erklärungen der Liste beziehungsweise Definitionen angezeigt. Diese Zusatzinfos sind auch mit dem Screenreader lesbar.

Die aktuelleste Version der Pronomen ohne Geschlecht gibt es auf der Übersichtsseite.

Einleitung

[…Ich kann auch nur schwer glauben,wie wenig sich Geschlechtsneutralität in deutscher Sprache bisher durchgesetzt hat. immer wenn ich in den USA bin, ist es so toll, wie Leute einfach they benutzen, statt mich in die he oder she Schublade zu stecken und ich so viel weniger über meine Geschlechtsidentität nachdenken muss!!! Ich hoffe irgendwann ist das mit den Pronomen so normal, wie sich auch der Unterstrich mittlerweile in manchen Kreisen durchgesetzt hat…]

Das hat Andrzej, Herausgeb_er_in des Zines Wer ‚A‘ sagt, muss nicht ‚B‘ sagen [1], auf der Pronomenseite kommentiert.

Möchtest Du mehr geschlechtsneutrale Sprache? Fehlen Dir Worte für die Selbstbezeichnung?

Kennst Du schon alternative Grammatik und interessierst Dich für andere Möglichkeiten?

Dann bist Du hier richtig. Ich will Dir hier verschiedene Pronomen ohne Geschlecht vorstellen. Du kannst 3, alle 28 oder gar keines dieser Pronomen verwenden, ganz wie Du willst!

Viel Spaß beim Lesen!

Die meisten Pronomen haben gar kein Geschlecht: ich, du, unser, mein… Die Pronomen in der 3. Person Einzahl bekommen jedoch eines zugewiesen, ihr wisst schon: er, sie, sein, ihr, die, der, dem… Ich finde es unsinnig immer wenn ich über Dritte rede, das Geschlecht mit anzugeben, aber es gibt noch ein paar andere Gründe.

Manchmal meine ich ausdrücklich ein bestimmtes Geschlecht, aber ganz oft nicht. Auf Englisch kannte ich schon Pronomen ohne Geschlecht – ich beziehe mich im folgenden immer auf die 3. Person Einzahl – aber auf Deutsch fehlten sie mir.

Das erste Pronomen ohne Geschlecht, sif, schrieb ich zusammen mit Sarah Hill im Zug auf die Rückseite einer Fahrkarte. Das Aussehen der Personalpronomen hat sich im Laufe der Zeit noch verändert. Es folgten sier und xier. Bei xier bin ich schließlich geblieben. Es ist ein kurzes Wort, die Endung kann die Deklination, also zum Beispiel den Akkusativ, anzeigen und wegen des ersten Buchstabens lässt es sich nicht einfach mit einem schon existierenden Wort verwechseln.

Ich wurde mal gefragt, ob die Pronomen extra fürs Internet angefertigt wurden. So war das nicht, aber ich habe sie ziemlich bald auf eine Webseite gesetzt und konnte so mit mehr Menschen diskutieren. 2012 hat Liliane Gross auf dem Blog kommentiert, ob ich nicht den Anfangsbuchstaben auf x setzen möchte:

[…Durch den schärferen x-Laut wird aber wieder verdeutlicht, dass man sich oder andere eben nicht als „sie“ oder „er“ identifiziert…]

Ich will Sprache mit mehr Möglichkeiten, dann kann ich genauer ausdrücken was ich sagen will. Ich sollte vielleicht erwähnen, dass ich das generische Maskulinum (Definition) nicht toll finde, aber dazu später mehr.

Ich denke, Sprache hat Macht. Veränderte Verhältnisse brauchen eine neue Sprache. Sprache ist jedoch nicht nur ein Spiegel der Verhältnisse, sondern schafft auch neue Wirklichkeiten. Und manchmal brauche ich mehr sprachlichen Platz, schon bevor sich die Verhältnisse ändern können.

Inhaltsverzeichnis

Ihr braucht nicht alles auf einmal lesen und wenn ihr Euch nur mit bestimmten Teilen näher beschäftigt, freut mich das auch.

Einleitung
Einfach anfangen
Gründe
Schwedisch und Englisch
Fünf verschiedene Pronomen
Personalpronomen: xier
Possessivpronomen: xieser
Relativpronomen und Artikel: dier
Die grammatikalischen Geschlechter
Substantive
Was andere machen
Fremdbezeichnung oder Selbstbezeichnung
Und weiter
Abspann
Fußnoten und Quellenangaben

Einfach anfangen

Die herkömmlichen Personalpronomen, sie und er, lassen sich zu einem neuen Personalpronomen, sier, kombinieren wenn ich beide Wörter hintereinander schreibe und ein e weglasse. Das habe ich auch schon als si:er, si_er oder si*er gelesen.

Die Symbole zwischen si und er sind nicht so einfach auszusprechen, denke ich, aber geschrieben sind sie intuitiv verständlich. Im Deutschen hängt die Endung eines Personalpronomens vom Fall ab. Im 3. Fall, dem Dativ, wird sie zu ihr und er wird zu ihm. Die Endung des Possessivpronomen, ihr und sein, ändern sich obendrein noch in Abhängigkeit vom Geschlecht des Substantivs, auf das sie sich beziehen. Auch Pronomen ohne Geschlecht brauchen unterschiedliche Endungen, weil sie wichtig für das Verstehen eines Textes sind. Wem das zuviel Grammatik auf einmal ist, möge mit den drei Grundformen der Pronomen ohne Geschlecht beginnen und die Endungen kreativ beim Sprechen verändern:

  1. xier – ein Personalpronomen, anstelle sie und er
  2. xieser – ein Possessivpronomen, anstelle ihr und sein
  3. dier – ein Artikel und ein Relativpronomen, anstelle die und der

Das x am Wortanfang wird wie für ein x typisch entsprechend der phonetischen Lautschrift [2], [ks], ausgesprochen. Die Pronomen xier und dier reimen sich auf das Wort Tier und xieser reimt sich auf das Wort dieser.

  1. xier – [ksi:ɐ̯]
  2. dier – [di:ɐ̯]
  3. xieser – [ksi:zɐ]

Ausführlicheres zu den Endungen und vorhandenen grammatikalischen Strukturen folgt weiter unten.

Beispielsätze

Xier, dier jongliert.
Xier konzentriert sich auf xiese Ringe.

Gründe

Lenas Gründe

[…Es gibt Momente, da halte ich es für angebracht, geschlechtsneutral zu schreiben oder zu sprechen…]

Das Zitat stammt von Lena Schimmel. In ihrem Artikel [3] beschreibt sie auch eine Reihe von Situationen in denen sie geschlechtsneutrale Pronomen bräuchte:

  1. Wenn ich das konkrete Geschlecht einer Person kenne, aber es in dem Moment für ungünstig halte, es zu erwähnen.
  2. Wenn eine Person sich mir mal als Mann und mal als Frau gezeigt hat und ich nicht weiß, wie die Person sich selbst bezeichnet.
  3. Wenn ich einen Bericht nacherzählen möchte, der in geschlechtsneutraler Sprache geschrieben ist.
  4. Wenn ich dasGeschlecht der Person vergessen habe.
  5. Wenn die Person weder das männliche noch das weibliche Geschlecht hat.
  6. Wenn ich potentiell jeden Menschen meine, egal welchen Geschlechts.

Die Situationen, die Lena beschreibt, kommen mir bekannt vor. Mir geht es oft auch ähnlich. Eigentlich habe ich vier Gründe dafür, Pronomen ohne Geschlecht zur Verfügung haben zu wollen:

Grund 1

Ich finde das generische Maskulinum, also die Verwendung der maskulinen Form als der allgemeinen, sexistisch. Frauen seien bei männlichen Formen mitgemeint, aber in den Köpfen funktioniert das nicht. Bei Pronomen wäre die Mehrzahl geschlechtsneutral, aber in der Einzahl brauche ich eine neutrale Alternative.

Grund 2

Als geschlechtsneutrale Selbstbezeichnung für Menschen, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zuordnen wollen oder können. Pronomen ohne Geschlecht können für Menschen abseits der beiden Pole weiblich und männlich zu mehr Sichtbarkeit führen.

Grund 3

Ich will mich mit Pronomen auf die Substantive ohne Geschlecht beziehen, die es schon gibt.

Grund 4

Außerdem erleichtern sie die Übersetzung von Texten aus anderen Sprachen, wenn dort geschlechtsneutrale Pronomen verwendet werden.

Jedoch

Manchmal benutze ich eben keine Pronomen ohne, sondern die mit Geschlecht. Zum Beispiel in Bezug auf individuelle Menschen, von denen einige hart für die Benutzung ihres Pronomens gekämpft haben, später mehr zum Thema Selbstbezeichnung.

Ich denke, geschlechtsneutrale Sprache führt nicht automatisch zu Geschlechtergerechtigkeit in einer Gesellschaft. Bei feministischem Aktivismus stehen Geschlecht und die Unterdrückung von Frauen im Mittelpunkt. Wenn ich Ungerechtigkeit bekämpfen möchte,muss ich sie auch beschreiben können. Dafür brauche ich geschlechtsspezifische Sprache.Wenn Geschlecht keine Rolle spielt, werde ich geschlechtsneutrale Sprache benutzen.

Schwedisch und Englisch

Auf englisch

Pronomen ohne Geschlecht kenne ich im Englischen schon viele Jahre. Es gibt zwei geschlechtsspezifische Pronomen der 3. Person Singular, she und he. Versuche, das generische Maskulinum, also die mitmeinende Verwendung, mit einem geschlechtsneutralen Pronomen zu ersetzen, gab es schon 1850. Dabei existierte das they im Singular schon viel länger [4] in der englischen Sprache. In der Literatur [5] werden they, them, themselves und their schon seit den 1300 Jahren auch benutzt um eine einzige Person zu beschreiben. Die Wörter werden traditionell benutzt wenn nicht weiter bestimmt ist, wer diese Person ist.

Außerdem gibt es zahlreiche neuerfundene Pronomen ohne Geschlecht. Ein Beispiel dafür sind ze und hir. Ze, gesprochen wie in dem Wort New Zealand, wird anstelle von she|he benutzt. Hir, gesprochen wie in here, ersetzt her|his und hirself ersetzt herself|himself.

Ze hirself calls hir friend. (deutsche Übersetzung: Sie|er ruft ihren|ihre|seine|seinen Freundin|Freund selber an.)

In Schweden

In Schweden wurde 2009 ein geschlechtsneutrales Pronomen in die schwedische Nationalenzyklopädie aufgenommen. Es gibt zusätzlich zu hon (sie) und han (er) das geschlechtsneutrale Pronomen hen. Das neue Wort stand schon drei Jahre in der schwedischen Nationalenzyklopädie, als es 2012 in die Schlagzeilen kam, weil Jesper Lundqvist es in einem Kinderbuch [6] verwendet hatte.

Fünf verschiedene Pronomen

Ich zeige euch jetzt fünf wichtige Pronomen. Damit ihr wisst um welche Pronomen es geht und was ihre Funktion ist, beginne ich mit kurzen Definitionen. Ein Pronomen, auch Fürwort genannt, steht stellvertretend für ein Substantiv.

Personalpronomen haben, je nach Fall [7], verschiedene Endungen. Das gleiche gilt für Artikel und Relativpronomen. Bei Possessivpronomen ist die Endung zusätzlich vom Genus [8] eines anderen Substantivs abhängig. Das macht sechzehn verschiedene Endungen. Es folgen Beispiele und Übersichten der Endungen der Pronomen ohne Geschlecht.

Personalpronomen

= persönliches Fürwort

Ich habe einen Koffer.

Possessivpronomen

= besitzanzeigendes Fürwort

Mein Koffer ist groß.

Relativpronomen/Demonstrativpronomen

= bezügliches Fürwort / = Artikel = hinweisendes Fürwort

Der Koffer, den ich mitgebracht habe, ist rot.

Interrogativpronomen

= Fragewort = fragendes Fürwort

Wer ist im Koffer?

Personalpronomen : xier

Ein Personalpronomen ist kurz und ersetzt das Substantiv in einem Satz. Damit werden Texte angenehmer und übersichtlicher zu lesen.

Zu den Personalpronomen mit Geschlecht, sie und er, kommt das Personalpronomen ohne Geschlecht, xier. Das x (Iks) am Anfang der Pronomen betont, dass das Pronomen für alle gilt und nicht nur für Frauen und Männer. Wie das Sternchen, *, ist es ein Platzhalter, der für vielfältige Möglichkeiten steht. Das Pronomen und alle folgenden werden mit ie geschrieben, damit eindeutig ist, wie es ausgesprochen werden soll, nämlich mit langem i-Laut. Seine Endung in den vier verschiedenen Fällen orientiert sich an den entsprechenden Fragewörtern, wer, wessen, wem und wen. Wenn ich die neuen Wörter im richtigen Fall benutzten möchte, muss ich am Anfang sowieso mit dem Fragewort fragen, um welchen Fall es sich handelt. So hab ich es in der Schule gelernt.

  1. Nom. Wer schreibt? Xier schreibt.
  2. Gen. Wessen schäme ich mich? Ich schäme mich xies.
  3. Dat. Wem gehört das? Das gehört xiem.
  4. Akk. Wen brauchst du? Du brauchst xien.

Die femininen Personalpronomen in der dritten Person, sie|ihrer|ihr|sie, und die maskulinen, er|seiner|ihm|ihn, werden um xier|xies|xiem|xien ergänzt.

Fälle: 1. Nom. 2. Gen. 3. Dat. 4. Akk.
Personalpronomen xier xies xiem xien

Possessivpronomen

Mit dem Possessivpronomen wird Besitz oder Zugehörigkeit ausgedrückt. Die Endung hängt sowohl vom Genus der besitzenden als auch der zugehörigen Person ab. Der Wortstamm, xies_, des Possessivpronomens ohne Geschlecht ist wie bei den beiden herkömmlichen Formen an den Genitiv des Personalpronomens angelehnt. Die Endungen sind dieselben, die sonst angehängt werden, je nachdem ob das, was jemand besitzt, grammatikalisch feminin, maskulin oder neutral ist.

Zum Beispiel: Xier ruft noch xiese Freundin und xiesen Freund.

Außerdem kommt es vor, dass es sich eben nicht um xiese Freundin oder xiesen Freund, sondern um Freund* oder Freund_in handelt [9]. Deshalb sind zusätzlich Endungen für Subjekte ohne Geschlecht definiert. _er| _es| _em| _en leiten sich wieder von den Fragewortbestandteilen ab. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht aller möglichen Wortstämme und aller Endungen:

Beschreibung: Der Stamm entspricht dem Genus der Person, zu der etwas/jemand gehört. Die Endung entspricht dem Genus der Person, die zugehörig ist
Fall: 1. Nom. 2. Gen. 3. Dat. 4. Akk.
herkömmlich: ihr_

sein_

sein_

_e

_

_

_er

_es

_es

_er

_em

_em

_e

_en

_

alternativ: xies_ _er _es _em _en

Alle Endungen werden nach Bedarf mit allen Wortstämmen kombiniert.

Eine Alternative ist die Verwendung eines anderen Vokals in den alternativen Endungen. Damit wäre diese stärker von den maskulinen Endungen abgegrenzt. Zwei Beispiele sind:

_ir| _is| _im| _in (zum Beispiel: Ich gebe es xiesim Freund*)

_ör| _ös| _öm| _ön (zum Beispiel: Ich gebe es xiesöm Freund*)

Beispielsätze zeigen wie die Kombination aller Endungen mit dem alternativen Wortstamm xies_ funktioniert:

  1. Nom. Xieser Freund*, xiese Freundin, xies Freund und xies Kind schreiben.
  2. Gen. Xier schämt sich xieses Freund*, xieser Freundin, xieses Freundes und xieses Kindes.
  3. Dat. Das gehört xiesem Freund*, xieser Freundin, xiesem Freund und xiesem Kind.
  4. Akk. Xier sucht xiesen Freund*<, xiese Freundin, xiesen Freund und xies Kind.

Auch Pronomen wie mein und euer bekommen in Bezug auf Substantive ohne Geschlecht neue Endungen. Auch hier würden andereVokale zur besseren Unterscheidung von den maskulinen Formen führen.

  1. Nom. Meiner Freund* und eurer Freund_in schreiben.
  2. Gen. Du schämst dich meines Freund* und eures Freund_ins.
  3. Dat. Das gehört meinem Freund* und deinem Freund_in.
  4. Akk. Wir suchen ihren Freund* und unseren Freund_in.

Artikel und Relativpronomen

Dier ist ein Artikel und kann auch als Relativpronomen für Nebensätze benutzt werden. Seit ich in Süddeutschland lebe, benutze ich Artikel vor Namen, wenn ich über Menschen rede. Ich mag es, weil es Nähe zu der Person ausdrückt und es klingt in meinen Ohren freundlicher. Aber es bedeutet auch, dass bei jeder Erwähnung eines Namens noch mal klargestellt wird:

Die Susanne ist eine Frau.
Der Peter ist ein Mann.

Die bestimmten Artikel gibt es in vier Fällen, die|der|der|die und der|des|dem|den. Die geschlechtsneutralen bestimmten Artikel, dier|dies|diem|dien, werden aus dem Wortstamm die_ und dem entsprechenden Fragewortbestandteil gebildet.

Mit Relativpronomen werden Nebensätze eingeleitet. Die Relativpronomen ohne Geschlecht richten sich einfach nach den bestimmten Artikeln ohne Geschlecht.

  1. Nom. Dier Jona schreibt. Jona, dier schreibt, …
  2. Gen. Ich schäme mich dies Peters. Peter, dies ich mich schäme, …
  3. Dat. Das gehört diem Sarah. Sarah, diem das gehört, …
  4. Akk. Du brauchst dien Sascha. Sascha, dien ich brauche, …
Fälle: 1. Nom. 2. Gen. 3. Dat. 4. Akk.
Personalpronomen dier dies diem dien

Die grammatikalischen Geschlechter

Ich habe mich schon einige Male auf das generische Maskulinum bezogen. Das liegt vor, wenn männliche Bezeichnungen oder Pronomen auch zur Bezeichnung von gemischten Gruppen verwendet werden oder allgemein von Menschen gesprochen wird, z.B. die Zauberer. Das generische Maskulin wird auch in der Einzahl verwendet, wenn eine nicht näher bestimmte Person gemeint ist, z.B. Zauberer gesucht.

Die Frauen seien bei der Verwendung dieser Form mitgemeint. Studien haben jedoch gezeigt, dass Menschen beim Lesen oder Hören des generischen Maskulinums, Frauen oft nicht mitdenken. Das passiert, obwohl grammatikalisches Geschlecht (Genus) und natürliches Geschlecht [10] (Sexus) im Deutschen unabhängig voneinander gelten. Es gibt bisher drei Genera:

  • Femininum
  • Maskulinum
  • Neutrum

Lena Schimmel [3] hat zwei weitere grammatikalische Geschlechter vorgeschlagen: ein allgemeines Genus, genannt Generikum und ein weiteres Genus, das Anderum, für alle jenseits von männlich und weiblich:

[…denn es gibt Menschen, die weder weiblich noch männlich sind und die (völlig zu recht) ihr Geschlecht dennoch als etwas eigenständiges ansehen…]

Ich finde die Unterscheidung dieser beiden Formen sehr wichtig. Ich will angelehnt an die Namen der bestehenden Genera zwei andere Bezeichnungen vorschlagen:

  • Aliudum (von aliud , lateinisch für ‚etwas anderes‘)
  • Generalium (von generalis, lateinisch für ‚allgemein‘)

Das herkömmliche Symbol für das Neutrum ist ein Kreis. Für das Femininum wird ein Kreis mit unten angehängtem Strich und einem Querstrich über den Strich verwendet. Das Maskulinium wird mit einem Kreis von dem ein nach rechts oben zeigenden Pfeil abgeht, symbolisiert. Für das neue Genus, Aliudum, schlage ich ein neues Symbol vor und zwar ein Kreis von dem ein Strich nach links oben weggeht, der mit einem Stern bestehend aus zwei zusätzlichen Strichen endet. Das neue Genus, Generalium, bekommt einen Kreis mit Strich nach unten und Querstrich, mit Pfeil nach rechts oben und Strich und Stern nach links oben. Zusätzlich befinden sich zwischen diesen Elementen noch kürzere Striche am Kreis um noch mehr Vielfalt zu symbolisieren.

 

Die Pronomen ohne Geschlecht können sowohl für Aliudum als auch für Generalium verwendet werden und das kann sich ja noch ändern.

Substantive

Da ich 2009 schon einige Arten kannte, Substantive mit vielen Geschlechtern und Substantive ohne Geschlecht zu bilden, habe ich keine neuen erfinden wollen. Die zwei Formen mit Platzhaltern gefallen mir sehr gut. Diese Substantive benötigen geschlechtsneutrale Pronomen und waren einer der Gründe, die alternativen Pronomen zu entwickeln.

Danach werde ich kurz das BinnenI und die Sylvain-Konvention [11] mit seinem neuen Genus, dem Indefinitivum vorstellen.

Der Gender_gap

Der Unterstrich, auch gender gap [12] genannt, ist wie ein kleiner Graben zwischen dem Stamm und der Endung des Wortes. Im Graben zwischen den beiden ist zusätzlicher Platz. Dieser Zwischenraum steht symbolisch für die Vielfalt neben der maskulinen und femininen Form. Wobei zumeist das Wort vor dem Unterstrich dem Maskulinum entspricht und alles nach dem Unterstrich der Endung im Femininum entspricht.

Dier Zauber_in nimmt xiesen Hut ab.

Der Unterstrich funktioniert auch bei anderen Wortarten.

Das Sternchen

Außerdem gibt es das Sternchen, *, das an Stelle der Endung an Wörter gehängt werden kann. Auch der Stern drückt Vielfalt aus und ist an die Verwendung des * bei Suchfunktionen angelehnt.

Dier Zauber* nimmt xiesen Hut ab. (Zauber* wird als Zauberstern gelesen.)

Das BinnenI

Dann gibt es noch das BinnenI, was mittlerweile gut verbreitet ist und in offiziellen, geschlechtergerechten Texten und in Zeitungen verwendet wird. Es wird seit Anfang der 1980er Jahre benutzt. Wenn es mit der Mehrzahl benutzt wird, sind keine besonderen Pronomen und keine neuen grammatikalischen Strukturen notwendig. In der Einzahl können auch Buchstaben in anderen Wörtern groß geschrieben werden.

Die ZauberInnen nehmen ihren Hut ab.

DiEr huttragendeR ZauberIn nimmt den Hut ab.

Beim BinnenI wird kritisiert, dass es die Aufteilung der Menschen in zwei Geschlechter verstärkt und keinen Platz für alle anderen hat.

Die Sylvain-Konvention

Das Indefinitivum der Sylvain-Konvention stellt einen kompletten Satz neuer Endungen für eine Vielzahl von Wörtern zur Verfügung. Den Hintergrund zum Indefinitivum und seine Pronomen findet gibt es im Kapitel Was andere machen .

Din Zaubernin nimmt nimsen Hut ab.

Was andere machen

In den letzten Jahren habe ich immer wieder nach Menschen gesucht, die sich auch mit geschlechtsneutralen Pronomen beschäftigen. Es gibt da mittlerweile Einige. Ich will einige Möglichkeiten hier im Vergleich darstellen. So stehen die verschiedene Formen nebeneinander und ihr könnt die für euch passende aussuchen.

Xier packt xiesen Koffer

Hier die neuen Pronomen in einer Übersicht zum Vergleich, jeweils in allen vier Fällen:

Personalpronomen Artikel Possessivpronomen [13]
xier xies xiem xien dier dies diem dien xieser xieses xiesem xiesen

Experimentierwerkstatt

Ein Satz Pronomen ging aus einer Experimentierwerkstätte auf der Trans*Tagung Berlin, 2007 hervor [14]:

nin Gen. nim nin din dine dim dinen nims nimses Dat. Akk.

Sylvain-Konvention

Die Pronomen aus der Experimentierwerkstatt wurden in der Sylvain-Konvention weiterentwickelt und mit diesem Namen in einem Science-Fiction Roman <a title=“Cabala de Sylvain, Wandelnde – Jungle Juice, Manuskript.“ href=“#Referenz“>[15] verwendet. Das neue grammatikalische Geschlecht, das Infinitivum, ist auch eine Kombination aus Generalium und Aliudum. Die Grammatik [11] ist umfangreicher als die folgenden Beispiele:

nim nimser nim nin din dins dim din nimsin nimsins nimsem nims

High on Clichés

Esme Grünwald überlegt sich immer dann neue Pronomen, wenn sie* die für einen Text in ihrem* Blog, High on Clichés, benötigt. Im Glossar des Blogs[16] finden sich eine Vielzahl unterschiedlicher Pronomen, die so seit 2011 entstanden sind. In der folgenden Übersicht habe ich nur die Pronomen aufgeführt, die meinen eigenen entsprechen. Im Relativsatz wird di:er übrigens zu ki. Außerdem bleiben Lücken, wo Esme Grünwald eben die Pronomen noch nicht brauchte.

hän sires sim sin di:er desren Dat. Akk. sir sires sirem siren

Christian Siefkes

Weil das in einem utopischen Text[17] besser passt, benutzt Christian Siefkes nicht nur geschlechtsneutrale Pronomen, sondern eine umfangreiche neue Grammatik:

sei seis seim sei die der der die Nom. Gen. Dat. Akk.

Fremdbezeichnung oder Selbstbezeichnung

Auf der einen Seite können Pronomen ohne Geschlecht als Generalium benutzt werden. Dann gelten sie für alle und jeden und bieten einige Vorteile was Verständlichkeit und Gerechtigkeit angeht, im Gegensatz zum generischen Maskulinum.

Auf der anderen Seite können sie als Aliudum als Selbstbezeichnung für Menschen dienen, die zwischen den Geschlechtern stehen. Wenn ich weder sie noch er für mich benutzen möchte, kann xier oder ein anderes Pronomen ohne Geschlecht eine Alternative sein.

Hierbei ist wichtig zu beachten, dass es dabei um eine Selbstbezeichnung geht, die sich einzelne Menschen selbst geben. Ich finde es wichtig, die Selbstbezeichnungen von Menschen zu respektieren, gerade in Bezug auf ihre bevorzugten Pronomen.

Es geht zum Beispiel nicht darum, ein Pronomen speziell für Menschen auf dem Trans*Spektrum zu erstellen. Es gibt Menschen, die bewusst zwischen den beiden Geschlechtern, männlich und weiblich, stehen und das auch sprachlich ausdrücken wollen, aber andere Menschen mussten gerade für die Benutzung ihres geschlechtsspezifischen Pronomens kämpfen und sollten mit dem auch angesprochen werden. Bei Pronomen muss ich eben vorher nachfragen, statt nach meinem Gutdünken ein Pronomen auszuwählen, das wäre eine Fremdbezeichnung.

Und weiter

Wenn es alle beiden Arten von Pronomen ohne Geschlecht gäbe, Generalium und Aliudum, wäre meine Zukunftsvision, das Generalium grundsätzlich für alle zu verwenden, es sei denn ich spräche über Situationen, wo die Angabe des Geschlechts einer oder vieler Personen wichtig ist. Dann würde ich Femininum, Maskulinum oder Aliudum benutzen.

Ich denke, Sprache hat Macht. Veränderte Verhältnisse brauchen eine neue Sprache. Sprache ist jedoch nicht nur ein Spiegel der Verhältnisse, sondern schafft auch neue Wirklichkeiten. Und ich genieße den Raum, den mir xier, dier und xieser geben. Und ich freue mich, wenn es anderen auch mehr Platz schafft.

Andrzej hat in xierem tollen Zine Pronomen ohne Geschlecht benutzt [1]:

[… Als jemand, dier sich viel in queerfeministischen Kontexten aufhält, schien es mir …]

Rae Spoon ist Musik_erin, Schriftstell_erin und macht Workshops. Xier benutzt in xieser Muttersprache, Englisch, das geschlechtsneutrale Pronomen they. Ich mag xiese Musik und vor allem die Art, wie xier schreibt. Die Musikzeitschrift Visions[18] schreibt über xien:

[…Rae Spoon mag lieber they und hat für unseren Artikel die deutsche Version xier abgenickt, die von Anna Heger stammt, aber lange noch nicht etabliert ist…]

Ob sich xier, dier und xieser etablieren oder andere Pronomen ohne Geschlecht, ich hoffe, dass sich Pronomen ohne Geschlecht so weitläufig wie das BinnenI ausbreiten werden.

Ich freue mich auch über Anregungen, Links zu anderen deutschen geschlechtsneutralen Grammatiken. Wenn ihr xier, dier und xieser verwendet, schickt mir doch euer Feedback.

Abspann

Xier packt xiesen Koffer
Transkription des ComicZineHeftchen über Pronomen ohne Geschlecht
Pronomen ohne Geschlecht Version 3.2

Text: Anna Heger
Lektorat: Doro Hugle, Benedikt Wolf, Noah Munier, Miri

Fußnoten und Quellen

  1.  Wer „A“ sagt muss nicht „B“ sagen – Ein sexpositives Zine über A_sexualität, asexyqueer.blogsport.de/.
  2.  In eckigen Klammern befindet sich die Lautschrift mit dem Internationalen Phonetischen Alphabet, IPA. Damit können Laute und Klänge fast aller Sprachen beschrieben werden.
  3. Geschlechtsneutrale Sprache als Chance betrachten statt als Zwang, Lena Schimmel, 2012, www.lenaschimmel.de/neutral.
  4. A General & Specific Discussion – of Gender-Neutral Alternatives to Gendered Pronouns, John Williams, Including Answers to Frequently Asked Questions, Version 0.9.13-30 April, 2004, www.aetherlumina.com/gnp/history.html .
  5. They with Singular Antecedent, American Heritage Book of English Usage: A Practical and Authoritative Guide to Contemporary English, 1996. (via en.wikipedia.org).
  6. Kivi och Monsterhund, Jesper Lundquist, Bettina Johansson, Olika Förlag, 2012.
  7. Die vier Fälle sind Nominativ (1.), Genitiv (2.), Dativ (3.) und Akkusativ (4.).
  8. Genus ist das Fachwort für das grammatikalische Geschlecht eines Wortes, z.B. Femininum.
  9. Freund* oder Freund_in sind Substantive ohne Geschlecht, beziehungsweise mit vielen oder allen Geschlechtern.
  10. Konzepte wie „natürliches Geschlecht“ sind mit Vorsicht zu genießen.
  11. Die Sylvain-Konventionen – Versuch einer geschlechtergerechten Grammatik – Transformation der deutschen Sprache, Cabala de Sylvain, Carsten Balzer, Liminalis, 2008, www.liminalis.de/2008_02/Liminalis-2008-Sylvain-Balzer.pdf .
  12. Performing the Gap – Queere Gestalten und geschlechtliche Aneignung, Steffen Kitty Herrmann, arranca! Nr.28, www.arranca.org/ausgabe/28/performing-the-gap .
  13. Hier nur solche Possessivpronomen, die sich auf ein Objekt ohne Geschlecht beziehen.
  14. via Lieb[schtean] Les[schtean], [schtean] du das gerade liest…, Persson Perry Baumgartinger, Liminalis, 2008, www.liminalis.de/2008_02/Liminalis-2008-Baumgartinger.pdf .
  15. Cabala de Sylvain, Wandelnde – Jungle Juice, Manuskript.
  16. Esme Grünwald, Glossar, High on Clichés, highoncliches.wordpress.com/glossar/
  17. Freie Quellen oder wie die Produktion zur Nebensache wurde, im Sammelband Etwas fehlt Utopie, Kritik und Glücksversprechen, Christian Siefkes, jour fixe initiative berlin (Hg.), edition assemblage, Münster, 2013, www.keimform.de/2013/freie-quellen-1/ .
  18. Gender Special – M & F und alle, die wir kennen, Visions – Musik aus Leidenschaft, Nr. 232, 2012, www.visions.de/ , Gender-Special_1.pdf

Workshop : Pronomen ohne Geschlecht : Düsseldorf

Zusammenfassung

Mein erster Workshop zum Thema geschlechtsneutrale Grammatik „Xier packt xiesen Koffer – Pronomen ohne Geschlecht und alternative deutsche Grammatik“ hat am Samstag, den 3.08.2013 auf dem Togetherfest in Düsseldorf voll gut funktioniert.

Wie der Workshop lief

Die Vorbereitung bestand nach dem Aufstellen eines Konzeptes im Zeichnen und Texten eines ComicZineHeftchens. Das ist auch in der Woche vor dem Workshop fertig geworden. Die Illustrationen dienten im Workshop dazu dass die Zuhörenden den Überblick über die vielen neuen Pronomenendungen nicht verliert.

Es gab nicht so viel Diskussionen, wie ich erwartet hatte. Nach Aussage der Workshopteilnehmenden schwirrten noch viele neue Endungen im Kopf herum. Naja, die Possessivpronomen mit vier Fällen und dem Bezug auf zwei Menschen sind schon was. Jasna L. Strick hat noch von den alternativen Endungen, -i und -u, für geschlechtsneutrale Substantive erzählt. Wie die entstanden sind recherchier ich gerade.

Workshopbeschreibung

Ich denke, dass Sprache nicht wertfrei, sonder ein Spiegel der Verhältnisse ist. Veränderte Verhältnisse brauchen eine veränderte Sprache. Ganz oft werde ich genau dort verändern wollen wo es nicht mehr auszuhalten ist und wo mir etwas fehlt. Pronomen ohne Geschlecht haben mir im Deutschen gefehlt.

Während des Workshops werde ich eine Alternative zu „er“ und „sie“ vorstellen, aber auch darüber reden warum ich grammatikalische Alternativen haben will. Es gibt eine kurze Einführung zur nötigen Grammatik, damit klar wird wie xier, xieser und dier in die herkömmliche Sprache passen. Ich will aber auch mit Euch Pronomen ausprobieren, weitere Möglichkeiten erfinden und Diskutieren. Diskutieren möchte ich über emanzipatorische Sprache, darüber was Ihr Euch persönlich davon erhofft und wie ich anderen das Zuhören und Mitlesen erleichtern kann.

Minicomic 19 : Die Hundert-Prozent-Quote

Worum es im transkribierten Comic geht

Das 8. WebComicKollektiv zum Thema Quote: Mich regen die Riesen-Jammerei wegen Mini-Frauenquote und das Weglassen der anderen Diskriminierungsachsen richtig auf. Ich hätte gern die 100%-Quoten der unheimlich homogenen Chefetagen so benannt und dann abgeschafft. Deren Zusammensetzung steht symptomatisch für die Struktur unserer Gesellschaft.

In diesem transkribierten MiniComic werden Zitate aus vier Tweets, KhaosKobold, baranek, enoerlee und miinaaa, und aus dem Artikel von John Scalzi, „Straight White Male: The Lowest Difficulty Setting There Is“, benutzt.

Transkription des Comics Die Hundert-Prozent-Quote

  1. „Wenn jemand fragt, ob wir nicht schon gleichberechtigt sind, bin ich sprachlos … wo soll ich da anfangen?“ [1] Ich sitze im Bus auf dem Weg zur Arbeit, zusammen mit vielen anderen Menschen und höre die Gespräche meiner Sitznachbarn mit an. m(
  2. Der Bus hält an der Haltestelle.
  3. Ich gehe zur Eingangstür von dem großen Gebäude mit den vielen Stockwerken.
  4. Von Level 0 führt die Rolltreppe auf das nächste Level.
  5. Ich komme oben in Level 1 an und höre wen reden: „Bis zu uns ist es doch barrierefrei und mehr hat bisher niemand verlangt.“ Ich gehe weiter zum nächsten Level.
  6. Ich nehme die Treppe auf dem Weg zu Level 2. Im Treppenahaus gibt ein Schild das die Treppe hinunter zeigt: „ohne Abitur hier entlang“ o__O
  7. Zu Level 3 geht es über ein enge Wendeltreppe. Davor steht ein Schild das anzeigt, dass hier keine Kinderwägen parken dürften.
  8. Auf ein Klappleiter geht es zu Level 4. Ich höre hinter mir wen sagen: „Männer können aus ihrer Normalität heraus Karriere machen. Frauen hingegen müssen sich stark verstellen.“ [2]
  9. Der Weg zu Level 5 führt über eine Strickleiter, die aus einer kreisförmigen Öffnung aus der Decke hängt. Bei Hochsteigen höre ich von dort Stimmen: „Man muss sich nur kritisch korrekt ausdrücken, dann ist es auch nicht rassistisch.“ [3] und „Wir haben doch schon ne Quote. Was soll man denn noch alles für die tun?“[4]
  10. Ich weiss Level 5 ist nicht ganz oben und ansonsten haben Leute die Reihenfolge der Level auch anders erlebt… 🙂
  11. … und ganz oben gibt es eine Hundert-Prozent-Quote: 100% weiß, hetero, cis-männlich, studiert und ableisiert … Eine einzelne Abweichung davon schien auch akzeptabel zu sein. Sonst wäre ich ja auch nicht so weit gekommen. Vor meinem inneren Auge sehe ich eine Karte der einzelnen Level und wie sie mit Treppen und Leitern verbunden sind, wie in einem Computerspiel. :3
  12. „Beim kompliziertesten Rollenspiel, mit der größten Anzahl an Leveln, auch bekannt als richtiges Leben, ist weiß-hetero-cis-männlich die Einstellung mit dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad.[5] (John Scalzi, „Straight White Male: The Lowest Difficulty Setting There Is“, 2012) 😉

Pronomen ohne Geschlecht 3.1

Prolog

Diese Woche ist in dier Queerulant_in Nummer 4 ein Artikel von mir über die Pronomen ohne Geschlecht erschienen. Diesen Text könnt ihr auf der Webseite dies Queerulant_in, in der gedruckten Ausgabe auf Papier oder hier in diesem Blogartikel im folgenden lesen. Außerdem wurde der Artikel am 28.5.2013 auf dem Blog der Mädchenmannschaft querveröffentlicht, dort wird er auch diskutiert.

Die aktuelleste Version der Pronomen ohne Geschlecht gibt es auf der Übersichtsseite.

Queerulant_in Mai 2013 – Jahrgang 2, Ausgabe 1, Nummer 4
Pronomen ohne Geschlecht
Beitrag von AnnaHeger.

Zusammenfassung

Pronomen brauchen nicht zwangsläufig ein Geschlecht. Ich finde es unsinnig bei jeder Erwähnung eines anderen Menschen das Geschlecht anzugeben. Sächliche Pronomen möchte ich für Menschen nicht verwenden. Ich wollte 2009 also selber die Pronomen ohne Geschlecht festlegen, weil ich damals in der deutschen Sprache keine solchen kannte.

Pronomen ohne Geschlecht kenne ich im Englischen schon viele Jahre: ze, gesprochen wie in dem Wort New Zealand, wird anstatt she|he und hir, gesprochen wie in dem Wort here, wird anstatt von her|his verwendet.

Ze hirself calls hir friend. [deutsche Übersetzung: Sie|er ruft ihren|ihre|seine|seinen Freundin|Freund selber an.]

In Schweden gibt es zusätzlich zu „han“ (er) und „hon“ (sie) das genderneutrale Pronomen „hen“ [1]. Das neue Wort wurde schon 2009 in die in die schwedische Nationalenzyklopädie aufgenommen. Letztes Jahr gab es Diskussionen über das Geschlecht der Pronomen nachdem „hen“ in einem Kinderbuch verwendet wurde [2].

Im Deutschen fehlten mir genau solche Pronomen. Also habe ich zusammen mit anderen [3] welche entwickelt. Um den Überblick zu erleichtern, werden im folgenden die Worte ohne Geschlecht fett und die geschlechterspezifischen Worte durchgestrichen dargestellt.

xier – ein Personalpronomen, statt sie|er
dier – ein Artikel und ein Relativpronomen, statt die|der
xies – ein Possessivpronomen, statt ihr|sein

Das x am Wortanfang wird wie für ein x typisch entsprechend der phonetische Lautschrift [ks] [4] ausgesprochen. Die Pronomen xier und dier reimen sich auf das Wort Tier. Xies reimt sich auf das Wort lies. Die phonetische Lautschrift der drei neuen Wörter ist [ksi:ɐ̯], [di:ɐ̯] und [ksi:z].

So einfach wie im Englischen ist es jedoch nicht, da die Pronomen in die deutsche Grammatik mit ihren vier Fällen passen müssen. Es braucht also 4 neue Personalpronomen. Und 4 Artikel, beziehungsweise Relativpronomen. Und noch 16 Possessivpronomen. Das heißt es gibt 24 neue Pronomen, die und deren Verwendung ich mir merken muss. Es ist eine Alternative nur mit xier, dier und xies loszulegen. Grade beim Sprechen kann ich kreativ entscheiden wie ich die Pronomen ohne Geschlecht in die vorhandene grammatikalische Struktur einpasse.

Egal ob ich kreativ mit 3 Pronomen arbeite oder mir den kompletten Satz von 24 Formen einpräge, ich finde die neuen Pronomen lohnen sich, weil ich endlich Dinge sagen kann, die ich vorher nicht ausdrücken konnte. Die Antwort auf die Frage warum folgt in den nächsten Zeilen.

Wozu genau brauche ich die Pronomen ohne Geschlecht?

Grund 1

Ich will sie verwenden wenn das Geschlecht in einem bestimmten Zusammenhang keine Rolle spielt. Ich finde den generischen Maskulin, also die Verwendung der maskulinen Form als der allgemeinen, sexistisch. Wenn ich im Allgemeinen nicht in der Mehrzahl reden möchte, brauche ich eine neutrale Alternative. Geschlechtsspezifische Pronomen machen jedoch im Rahmen von feministischem Aktivismus sehr viel Sinn. Dort geht es ja um Geschlecht. In vielen anderen Zusammenhängen aber eben nicht.

Grund 2

Es gibt Menschen, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zuordnen wollen oder können. Pronomen ohne Geschlecht können für Menschen abseits der beiden Pole weiblich und männlich zu mehr Sichtbarkeit führen. Wie beim Unterstrich, _, und dem Sternchen, *, in Substantiven [5] habe ich damit einen weiteren Teil Sprache/Grammatik um über Frauen, Männer und alle Anderen im allgemeinen reden zu können.

Als Zukunftsvision sehe ich Pronomen ohne Geschlecht als Standard, der immer verwendet werden kann. Wenn ich mein Gegenüber besser kenne kann ich nachfragen welches nichtneutrale Pronomen xier gern für sich benutzt. Das nimmt den Rechtfertigungsdruck von den Menschen außerhalb der Zweigeschlechtlichkeit.

Deklination

Die Endungen der Pronomen orientieren sich an den Endungen der Fragewörter, _r|_s|_m|_n. Wenn ich die neuen Wörter im richtigen Fall benutzten möchte, muss ich am Anfang sowieso immer für mich nachfragen: wer|wessen|wem|wen. Die Personalpronomen in der dritten Person sie|ihrer|ihr|sie und
er|seiner|ihm|ihn werden mit xier|xies|xiem|xien ergänzt. Zusätzlich zu bestimmten Artikeln die|der|der|die und der|des|dem|den entstehen so dier|dies|diem|dien.

1.Fall: Wer schreibt? Dier Jona schreibt. Xier schreibt.
2.Fall: Wessen schäme ich mich? Ich schäme mich dies Peters. Ich schäme mich xies.
3.Fall: Wem gehört das? Das gehört diem Sarah. Das gehört xiem.
4.Fall: Wen brauchst du? Du brauchst dien Sascha. Du brauchst xien.

Xier ist ein Personalpronomen, das ich brauche wenn ich über Dritte rede. Dier ist ein Artikel und kann auch als Relativpronomen für Nebensätze benutzt werden. Seit ich in Süddeutschland lebe, benutze ich Artikel vor jedem Namen wenn ich über Menschen rede. Ich mag es, weil es eine Nähe zu der Person ausdrückt und es klingt in meinen Ohren freundlicher. Aber es bedeutet auch dass bei jeder Erwähnung eines Namens noch mal klargestellt wird „Die Susanne ist eine Frau“ oder „Der Peter ist ein Mann!“

Mit dem Possessivpronomen wird Besitz oder Zugehörigkeit ausgedrückt. Für die 3. Person der Possessivpronomen wird der Stamm (erster Teil des Pronomens) nach Geschlecht (Genus) der Besitzenden unterschieden, also ihr_|sein_. An diese Stelle tritt xies_, was wie bei den beiden herkömmlichen Formen an den Genitiv (2.Fall) des Personalpronomens angelehnt ist. Die Endungen sind dieselben, die sonst an ihr_|sein_ angehängt werden, je nachdem ob das was jemand besitzt grammatikalisch feminin, maskulin oder neutral ist. Zum Beispiel:

Xier ruft noch xiese Freundin und xiesen Freund.

Außerdem braucht es noch einen weiteren Satz Endungen für den Fall, dass es sich eben nicht um die Freundin oder den Freund sondern um dier Freund* oder dier Freund_in handelt [5]. Die Endungen bei Subjekten ohne Geschlecht leiten sich auch von den entsprechenden Fragewörtern ab: _er|_es|_em|_en [6].

1.Fall: Xieser Freund*, xiese Freundin, xies Freund und xies Kind schreiben.
2.Fall: Xier schämt sich xieses Freund*, xieser Freundin, xieses Freundes und xieses Kindes.
3.Fall: Das gehört xiesem Freund*, xieser Freundin, xiesem Freund und xiesem Kind.
4.Fall: Xier suche xiesen Freund*, xiese Freundin, xiesen Freund und xies Kind.

Was andere erdachten

Nachdem wir damals unsere Pronomen entwickelt hatten, habe ich noch mal gründlicher nach deutschen Pronomen ohne Geschlecht recherchiert. Der Mädchenblog [7] gibt ein Einführung und Übersicht zu alternativen Pronomen ohne Geschlecht. Eine weitere Alternative habe ich bei Esme Grünwald auf dem Blog, High on Clichés, im Glossar gefunden. Es gibt Überschneidungen mit früheren Versionen der Pronomen ohne Geschlecht, außerdem werden weitere Pronomenarten berücksichtigt [8].

Ich denke nicht das Sprache an sich wertfrei ist. Ich denke auch nicht dass es möglich ist sie wertfrei zu verwenden. Eher ist sie Spiegel der Verhältnisse. Veränderte Verhältnisse brauchen eine neue Sprache. Ich finde es gut zu verändern wo es möglich ist und ganz oft werde ich genau dort verändern wollen wo es nicht mehr auszuhalten ist und wo mir etwas fehlt.

Meine aktuellen Pronomen ohne Geschlecht gibt es auf: https://www.annaheger.de/pronomen/.

Links

[1] Link
[2] „Kivi och Monsterhund“, Jesper Lundqvist, 2012
[3] Den ersten Satz Pronomen habe ich 2009 mit Sarah Hill zusammengestellt. Nach Diskussionen mit Liliane Gross, habe ich 2012 den Anfangsbuchstaben von s auf x geändert. Der Buchstabe selbst hat eine Platzhalterfunktion, die gut zu den Pronomen ohne Geschlecht passt.
[4] Die Aussprache wird in eckigen Klammern mit dem Internationalen Phonetischen Alphabet (IPA) angegeben.
[5] Der Stern ist auch ein Platzhalter und drückt damit Vielfalt aus. Aus Freund|Freundin wird Freund*. Er ist an die Verwendung des * bei Suchmaschinen angelehnt. Beim Unterstrich von Steffen Kitty Herrmann (in “Performing the Gap – Queere Gestalten und geschlechtliche Aneignung” in arranca! Nr.28) steht der Zwischenraum für die Vielfalt neben der maskulinen und femininen Form zum Beispiel bei Freund_in.
[6] Eine Alternative ist die Verwendung eines anderen Vokals in der Endung. Damit wäre diese stärker von den maskulinen Endungen abgegrenzt: ir|is|im|in (Xiesir Freund*), är|äs|äm|än (Xiesär Freund*).
[7] Link
[8] Link zum Glossar, Link zum Artikel

MiniComic 15 : Nila

Worum es im transkribierten Comic geht

Minicomic 15 hat jetzt einen neuen Text erhalten und damit auch den neuen Titel. Die alte Version bleibt auf dem Blog. Der Text ist jetzt genauso wie die Bilder autobiographisch, aber mit einer Portion künstlerischer Freiheit. Bilder & Worte : AnnaHeger, 2012-2013

Transkription des Comics Nila

  1. Nila, eine schwarze Katze, kommt schräg über das Dach gelaufen.
  2. Nila, die noch sehr jung ist, läuft mir auf meinem ausgestreckten Arm entgegen. Im Hintergrund ein bäuerliches Haus und der Zaun zum angrenzenden Obstgarten. Ich: „Ich will jetzt nach Hradec Králové zum Einkaufen“. Nila antwortet mir: „Au ja, ich komme mit!“
  3. Nila sitz am Hoftor und guckt mich erwartungsvoll an. Über ihr auf einer Stänge sitzen viele kleine rote Vögel nebeneinander.
  4. Vor mir läuft Nila die mit Pappeln gesäumte Landstraße entlang. „Ich habe mich daran gewöhnt siebzig Minuten zu Fuß zum Zug zu gehen,…“
  5. Mit Geschick fängt Nila auf dem Feld eine Maus. „…drei Stunden am Tag im Büro zu sein,…“
  6. Von weitem sehe ich Nila am Wald vorbei über die hügeligen Felder sausen. „…im Wald Heidelbeeren zu holen,…“
  7. In der Näher der Windmühle läuft Nila wieder bei mir. Im Hintergrund steht ein Storch, die anderen drei fliegen grade weg. „…und daran, dass Nila überallhin mitkommen will.“
  8. Nila steht vor dem Bahnübergang in Plchchůvky und sieht meinem Zug entgegen: „Toll da kommt ja schon der Zug aus Hradec zurück!“. Ich: “ Erst als ich schon wieder in der Stadt wohnte, ist mir aufgefallen, dass Nila mehr geredet hat als die hiesigen Katzen.“
  9. Der Zug verschwindet am Horizont.

MiniComic 18 : Zäune bauen

Worum es im transkribierten Comic geht

Schon gibt es das siebente WebComicKollektiv. Diesmal wieder ein Minicomic. “Wir sind ja tolerant, aber…” Bringt es Toleranz als aktivistischer Begriff, als Konzept, überhaupt. Es geht darum, dass ich das Konzept Toleranz schon seid einiger Zeit ziemlich überbewertet finde. Die Grenzen der Toleranz werden nicht von denen gezogen die es zu tolerieren gilt. Da liegt der Unterschied zu Respekt und Gleichberechtigung. Bilder & Worte: Anna Heger, 2013

Transkription des Comics Zäune bauen

  1. Es ist Nacht und die Hasen treffen sich am Wasserloch zwischen den Hügeln.
  2. Vier junge Hasen liegen an ihren Vater gekuschelt im Bau. Der Hase Max sagt zu Caro: „Wir gehen nochmal raus oder?“
  3. Max und Caro klettern oben aus dem Hasenbau heraus. Caro sagt: „Ich schlag‘ die tollsten Haken“, worauf Max antwortet: „Aber Du mußt gucken wie schnell ich im Kreis laufe!“
  4. Viele Hügel sind zu sehen. Caro schlägt Haken und immer wieder trifft sie auf Max, der in meandernden Kreisbahnen über die Hügel wetzt.
  5. Im Hintergrund kommen gerade Caro und Max vorbei. Im Vordergrund unterhalten sich zwei Hasen: „Wir sind ja tolerant, aber so läuft der Hase nicht!“ Was Hasen, die das Sagen haben, dann so sagen. Die beiden Hasen mit dem Sagen sehen wir von hinten.
  6. Ganz viele Hasen sind zu sehen wie sie in großer Menge zusammenstehen.
  7. Ein Stück entfernt von ihnen hoppeln Caro und Max in unterschiedlichen Richtungen vorbei.
  8. Tolerant sind die Hasen, die das Sagen haben, die legen dann fest wie der Hase läuft. Caro und Max können nicht mehr über die weitläufigen Hügel hoppeln. Sie sind in unterschiedlichen abgezäunten Parzellen eingesperrt.
  9. Ein Hase, den wir von hinten sehen sagt: „Da hört die Toleranz wohl auf!“ Die Hasen, die das Sagen haben, sagen auch wo der Zaun ist und wie eng der Raum für andere Hasen ist um als solche erkannt zu werden? Im Hintergrund ist Caro zu sehen die ihre Pfoten zwischen den weißen Zaunlatten durchsteckt.
  10. Caro versucht immer wieder diesem Zaun etwas anzuhaben und aus der Parzelle herauszukommen.

MiniComic 12 : Weiterschlafen

Worum es im transkribierten Comic geht

Zum sechsten WebComicKollektiv gibt es ein Minicomic. Es geht ums lieber-weitermachen-wollen also ums lieber-im-bett-bleiben als endlich-ins-bett gehen. Bilder & Worte: Anna Heger, 2012-2013

Transkription des Comics Weiterschlafen

  1. Ein Wiesnherz mit roter Zuckerdekoration hängt an der Wand neben dem Bett.
  2. Ich liege mit nochjemandem schlafend in einem Bett, die Sonne scheint schon durchs Fenster. Aus dem Wecker im Handy auf dem Nachttisch ertönt eine Melodie. „Manchmal teile ich meine Bett.“
    „Oft habe ich keine Lust mit dem aufzuhören was ich gerade mache.“
  3. „Das beginnt beim Aufstehen.“ Die Musik verstummt und die andere Person legt ihren Hand auf meinen Arm. Meine Augen sind zusammengekniffen.
  4. „Ich will einfach weiterschlafen.“ Ich drehe mich zu J in meinem Bett um.
  5. Wie immer: „Nur noch ein winziges Minütchen!“
  6. „Ich will weiterschlafen, nicht aufstehen und frühstücken“. Beide liegen im Bett und haben die Augen wieder zu.
  7. „Ich will weiterfrühstücken und nicht arbeiten gehen.“ Beide sitzen in der Küche und trinken Tee.
  8. „Das geht den ganzen Tag so.“ Ich sitze programmierend vor zwei Bildschirmen.
  9. „Schließlich weiterlesen statt schlafen. Ich will nicht ins Bett, aber ich bleibe gerne drin.“ Und denke wieder: „Nur noch ein winziges Kapitelchen.“
  10. „Der Kreislauf wiederholt sich nach vierundzwanzig Stunden.“ Die Melodie des Weckers beginnt erneut.
  11. Das Handy auf dem Tisch mit den Büchern fängt aufs neue mit der Weckmelodie an.

MiniComic 17 : Kritik von weißen Schafen an weißen Schafen

Worum es im transkribierten Comic geht

Beim fünften WebComicKollektiv geht es um Kritik. Ich habe mich diesmal mit einer Methode beschäftigt, um Kritik, insbesondere in der eigenen Gruppe, zu strukturieren. Die dargestellten fünf Schritte Kritik anzubringen habe ich aus Challenging homophobia, racism and other oppressive moments [English] von Nicole LeFavour, 2001. Dort gibt es auch noch ein Anweisung wie auf die Kritik reagiert werden kann: 1. ruhig durchatmen, 2. zuhören, 3. sich für Kritik bedanken, 4. aktiv Situation verbessern, 5. später über Kritik weiter nachdenken. Bilder & Worte & Transkription: Anna Heger, 2013

Transkription des Comics Kritik von weißen Schafen an weißen Schafen

  1. Viele Schafe laufen, eines hinter dem anderen oben auf der Deichkuppe entlang. Hinter dem Deich gibt es zwei Bäume. „Vielleicht kennst Du das. Ihr steht auf dem Deich und wer von den Anderen erzählt einen unlustigen Witz. Diese Witze sind fies* . Sie sollen zeigen, dass alle die mitblöken zusammen gehören und was Besseres sind.“
    * fies hier als Platzhalter für klassistisch, rassistisch, sexistisch, heteronormativ, verrückteabwertend, bifeindlich, transfeindlich, antisemitisch, körpernormierend, ableistisch, armeabwertend…
  2. Die meisten der weiße Schafe stehen jetzt auf der anderen Seite des Deiches vor den Bäumen. Im Hintergrund fliegt eine Gruppe von Möven weg. Ein Schaf im Vordergrund läßt die Ohren hängen und denkt gernervt: „Nicht alle sind immer Teil vom großen Spaß“. Dier Erzähler_in: „Wenn Du den Witz kritisierst, geht das große Geblöke los, das kennst Du. Aber dann nichts sagen und noch mehr davon anhören müssen und anhören lassen?“
  3. Dier Erzähler_in, ein weißes Schaf, steht auf der Deichkuppe: „Bin ich so ein Schaf, das dann daneben steht. Ich beruhige kurz den berechtigten Ärger und gehe vier Schritte nach vorn:“
  4. Über dem Panel der Titel, 1.: Ruhig durchatmen.
    Das Erzählerschaf atmet geräuschvoll aus.
  5. 2.: Nein sagen.
    „Dieser Witz ist nicht lustig…“ Im Hintergrund galoppieren Schafe den Deich herunter.
  6. 3.: Erklären warum.
    Weitere den Deich runter gallopierende Schafe sind zu sehen. Das Erzählerschaf: „…weil er fies* ist.“
  7. 4.: Sagen was ich erwarte.
    Das Erzählerschaf ist von hinten zu sehen. Es sagt: „Bitte nicht noch mehr dieser Witze erzählen…“
  8. 5.: Den Effekt erklären.
    „…es kommt rüber als stellt ihr euch höher als andere Schafe.“ Im Hintergrund stehen ein paar weiße Schafe an der oberen Deichkante und ein Storch fliegt nach rechts weg.
  9. „Es gibt immer welche, die hören vorerst noch nur zu!“ Im Hintergrund stehen Lämmer mit einem älteren Schaf am Deich.

WebComicKollektiv : Privilegien

Worum es im transkribierten Comic geht

Mein Beitrag zum WebComicKollektiv Nummer vier zum Thema Privilegien ist der Comic UnterDruck Archiv. Im ersten Teil geht es darum sich bezüglich der eigenen Privilegien zu positionieren. Den zweiten Teil kennt ihr, weil es der Beitrag zum Thema Gerechtigkeit beim WebComicKollektiv Nummer drei war. Im letzten Teil habe ich nochmal aufgegriffen für wie wichtig ich das Verständnis der Kolonialgeschichte für das Verständnis des Rassismus in Deutschland finde, also zum Beispiel institutioneller Rassismus und Alltagsrassismus. Das Thema hatte ich ja auch im MiniComic 16 Burggeschichte schonmal gestreift hab. Im Comic werden die Pronomen ohne Geschlecht verwendet: xier=sie_er, xiese=ihre_seine und xieser=ihrer_seiner. Worte & Bilder : Anna Heger 2013

Transkription des Comics UnterDruck Archiv

  1. Eine Hand hält ein Smartphone auf dessen Bildschirm steht „Unter Druck Archiv“.
  2. Zwei weiße Menschen in Jeans, A mit blondem Dutt und B mit braunem Pferdeschwanz, sitzen zusammen auf einer Decke. A hält das Smartphone in der Hand und beide schauen auf den Bildschirm.
    A: „Ich habe gestern noch ein weiteres Interview für das Archiv geschnitten.“
    [Erklärung für Archiv: Im Netz-Archiv Unter Druck befinden sich Interviews über Unterdrückung aus vielen verschiedenen Perspektiven.]
  3. Auf dem Bildschirm ist eine weiße Person, C, mit kurzen dunklen Haaren, die ins Gesicht fallen ist abgebildet. C schaut freundlich in die Kamera. Nur der Oberkörper ist vor schwarzem Hintergrund zu sehen. Aus dem Hintergrund kommt die Stimme einer Person, D, die nicht zu sehen ist.
    D: „Was fällt Dir als erstes zu Unterdrückung ein?“
    C: „Menschen profitieren oder leiden unter Unterdrückung auf sehr unterschiedliche Weisen …“
  4. C schaut unsicher an der Kamera vorbei und hat die Hand am Hals.
    D: „Und Du?“
    C: „Ich profitiere von unterdrückenden Strukturen wenn es, zum Beispiel, um Rassismus oder Klassismus geht.“
    [Erklärung zu Klassismus: Klassismus ist die Abwertung von Menschen auf Grund von, als
    niedriger wahrgenommener Arbeit oder niedrigerem formellen Bildungstand.]
  5. C schaut selbstsicherer in die Kamera und streckt beim Sprechen die linke Hand nach vorn.
    C: „Ich werde durch Sexismus und Heterozentrismus benachteiligt.“
    [Erklärung zu Heterozentrismus: Heterozentrismus ist die strukturelle Benachteilung von Menschen, die nicht heterosexuell, sondern zum Beispiel lesbisch, schwul oder bisexuell sind.]
  6. C streicht sich die Haare aus dem Gesicht und schaut ernst in die Kamera.
    C: „Ich will weniger Unterdrückung auf der Arbeit, im Freundeskreis, im Volleyballverein … Da habe ich ja auch Einfluß den ich nutzen kann. Ich will mehr Gerechtigkeit, deswegen will ich klar haben was Unterdrückung ist. Unterdrückung hat viele Dimensionen. Wenn ich mich mit Sexismus beschäftige, muß ich bedenken, dass ein Teil aller Frauen zusätzlich noch von Rassismus betroffen ist. Umgekehrt wirkt sich Rassismus auf Frauen zum Teil anders aus als auf Männer.“
    [Erklärung zu Dimensionen: Die Dimensionen sozialer Ungleichheit sind verwoben. Neben Heterozentrismus, Sexismus, Klassismus und Rassismus gibt es weitere Dimensionen.]
  7. Im Hintergrund sind Windungen des Films einer losen Kinofilmrolle zu sehen. Davor sind drei linke Hände zu sehen. Die erste Hand zählt „Eins“, der Daumen ist entsprechend mit „1“ markiert. Die zweite Hand zählt „Zwei“ und der Zeigefinger ist mit „2“ markiert. Zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger sind Linien eingezeichnet als würde sich dort ein Spinnennetz aufspannen. Die dritte Hand zählt „Drei“ und der Mittelfinger ist mit „3 und so weiter …“ markiert. Die drei ausgestreckten Finger sind mit Linien in der Art eines komplizierten Spinnennetztes verbunden. Auf dem Ende des Filmes im Hintergrund steht: „Die Dimensionen sind verwoben wie ein Spinnennetz.“
  8. C schaut aus dem Filmpanel wie aus einem Fenster. Die Hände von C schaut auf xiese Hände, die xier aus dem Filmpanel mit den Handflächen nach oben, nach unter raus hält. Von xieser rechten Hand gehen zwei Pfeile nach unten, daneben der Text „nach untern geschoben werden“. Von xieser linken Hand gehen zwei Pfeile nach oben, daneben der Text „sich nach oben schieben lassen“.
    C: „Jede Unterdrückung hat ihre Richtung und ihre Struktur. Wir sind nicht alle-ein-bisschen-von-Sexismus-betroffen. Sexismus richtet sich gegen Frauen. Bei Unterdrückungen geht nicht nur darum, dass mich-mal-wer-schlecht-behandelt hat. Es geht um Ungerechtigkeiten im Beruf, um Benachteiligung beim Erwachsen-werden und ganz grundsätzlich um die Struktur der Gesellschaft als Ganze.“
  9. C hat die Arm ausgebreitet und schaut freundlich in die Kamera.
    C: „Außerdem hat Unterdrückung eine Geschichte – in einer Stadt, in einem Land und auch global. Den Rassismus in Deutschland habe ich begonnen besser zu verstehen, als ich mich mit der deutschen Kolonialzeit beschäftigt habe : dass es eine gab – von wann bis wann sie dauerte – was sich wann zugetragen hat – wer die Menschen waren, die beteiligt waren …“
  10. Wieder ist aufgerollte Filmrolle zu sehen. Auf dieser stehen Eckdaten der deutschen Kolonialgeschichte: 1682, 1847, 1884, 1888, 1904, 1940.
  11. C schaut ernst in die Kamera und zeigt mit dem Finger auf sich selbst.
    C: „Und schließlich sind sowohl Privilegien als auch der Widerstand gegen Unterdrückung mit meiner eigenen Lebensgeschichte verbunden.“
  12. Das Smartphone wird in einer Hand gehalten. Der Daumen drückt den unteren Knopf und schaltet das Gerät ab. Der Bildschirm wird immer kleiner bis er schließlich verschwindet.
  13. Wieder sind A und B auf der Decke zu sehen. Sie schauen sich an.
    B: „Das mit den vier Eckpfeilern : Richtung, Struktur, Dimensionen und Geschichte ist cool und das Positionieren ist schön kurz.“
    A: „Wenn alle neuen Interviews fertig sind, können sie ins Netz.“
    [Erklärung zu Positionieren : Mich Positionieren heißt mir bewußt zu machen wo ich privilegiert bin und wo ich Unterdrückung erfahre.]

WebComicKollektiv : Gerechtigkeit

Worum es im transkribierten Comic geht

Der Beitrag für das WebComicKollektiv zum Thema Gerechtigkeit ist noch fertig geworden. Viel Spaß beim Lesen. Dieser Comic ist Teil des größeren Comics „Unterdruckarchiv“ den es es auf einer extra Seite zu sehen gibt. In der Transkription des Comic werden Pronomen ohne Geschlecht verwendet: xier=sie_er, xiese=ihre_seine und xieser=ihrer_seiner.

Transkription des Comics Gerechtigkeit

  1. Auf dem Bildschirm ist eine weiße Person, C, mit kurzen dunklen Haaren, die ins Gesicht fallen ist abgebildet. C schaut freundlich in die Kamera. Nur der Oberkörper ist vor schwarzem Hintergrund zu sehen. C streicht sich die Haare aus dem Gesicht und schaut ernst in die Kamera.
    C: „Ich will weniger Unterdrückung auf der Arbeit, im Freundeskreis, im Volleyballverein … Da habe ich ja auch Einfluß den ich nutzen kann. Ich will mehr Gerechtigkeit, deswegen will ich klar haben was Unterdrückung ist. Unterdrückung hat viele Dimensionen. Wenn ich mich mit Sexismus beschäftige, muß ich bedenken, dass ein Teil aller Frauen zusätzlich noch von Rassismus betroffen ist. Umgekehrt wirkt sich Rassismus auf Frauen zum Teil anders aus als auf Männer.“
    [Erklärung zu Dimensionen: Die Dimensionen sozialer Ungleichheit sind verwoben. Neben Heterozentrismus, Sexismus, Klassismus und Rassismus gibt es weitere Dimensionen.]
  2. Im Hintergrund sind Windungen des Films einer losen Kinofilmrolle zu sehen. Davor sind drei linke Hände zu sehen. Die erste Hand zählt „Eins“, der Daumen ist entsprechend mit „1“ markiert. Die zweite Hand zählt „Zwei“ und der Zeigefinger ist mit „2“ markiert. Zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger sind Linien eingezeichnet als würde sich dort ein Spinnennetz aufspannen. Die dritte Hand zählt „Drei“ und der Mittelfinger ist mit „3 und so weiter …“ markiert. Die drei ausgestreckten Finger sind mit Linien in der Art eines komplizierten Spinnennetztes verbunden. Auf dem Ende des Filmes im Hintergrund steht: „Die Dimensionen sind verwoben wie ein Spinnennetz.“
  3. C schaut aus dem Filmpanel wie aus einem Fenster. Die Hände von C schaut auf xiese Hände, die xier aus dem Filmpanel mit den Handflächen nach oben, nach unter raus hält. Von xieser rechten Hand gehen zwei Pfeile nach unten, daneben der Text „nach untern geschoben werden“. Von xieser linken Hand gehen zwei Pfeile nach oben, daneben der Text „sich nach oben schieben lassen“.
    C: „Jede Unterdrückung hat ihre Richtung und ihre Struktur. Wir sind nicht alle-ein-bisschen-von-Sexismus-betroffen. Sexismus richtet sich gegen Frauen. Bei Unterdrückungen geht nicht nur darum, dass mich-mal-wer-schlecht-behandelt hat. Es geht um Ungerechtigkeiten im Beruf, um Benachteiligung beim Erwachsen-werden und ganz grundsätzlich um die Struktur der Gesellschaft als Ganze.“

MiniComic 16 : Burggeschichte

Worum es im transkribierten Comic geht

Hier die Transkritption des Minicomics Burggeschichte in reinen Text. Das Thema des zweiten WebComicKollektivs Comics ist Theorie. Ich würde gerne sehr viele Comics zu Theorien machen um die Theorien für mich selber besser zu verstehen in dem ich sie in Bildern darstelle. Außerdem um sie mit anderen zu teilen. Ich wollte länger einen Comic über Dekonstruktion machen. Mich in der Metapher auf Gebäude zu beziehen wurde von einem Artikel in „Wer andern einen Brunnen gräbt“ von Mostafa Akhtar inspiriert. Am 18.7.2013 wurde das Comic und seine Transkription als Gastbeitrag auf dem Blog der Mädchenmannschaft veröffentlicht. Worte & Bilder & Transkription : Anna Heger, 2012-2013

Transkription des Comics Burggeschichte

  1. Hinter einem kleinen Haus mit rotem Dach steht ein großes Gebüsch.
  2. Zwei weiße Menschen sitzen am Tisch. Auf dem Tisch sind eine leere Espressotasse, Papier und ein Stift. Die Person mit übereinander geschlagenen Beinen erklärt gestikulierend: „Diskriminierende soziale Strukturen sind als solche konstruiert, …“. Die zweite Person hat die Hände im Schoß und unterbricht die Erklärung: „Du, bei diesem Teil steig ich aus! Echt!“.
  3. Auf dem Papier werden zwei miteinander verbundene Striche gezeichnet. Der Stift liegt daneben. Aus dem Hintergrund ist die Stimme der ersten Person zu hören: „Stell Dir das mal so vor: das menschliche Zusammenleben ist längst nicht immer so gewesen wie es jetzt ist. Es wurde nach und nach so zusammengebaut = konstruiert.“
  4. Strich um Strich wird die Zeichnung zu einem Quadrat mit dreieckigem Dach erweitert. Es entspricht einer einfachen zweidimensionalen Zeichung eines Hauses. Aus dem Hintergrund ist weiter zu hören: „Ich finde das wichtig, weil es im Kampf gegen Diskriminierung verwendet werden kann. Etwas gebautes, lässt sich umbauen und hat keinen Ewigkeitsanspruch.“
  5. Mit einigen weiteren Strichen wurde dem Bild vom Haus die Seitenwände hinzugefügt: „Wenn wir Zustände verändern wollen, überlegen wir, wie wir das machen.“ Die zweite Person fragt nach: „Wo sollen wir anfangen?“
  6. Die Zeichnung wurde mit Fenstern, dem Schornstein und einer Tür vervollständigt. Das Haus ähnelt dem auf dem Panel 1: „Wie bei einem alten Haus*, dessen Bauweise nicht gut ist oder das auf Grund seines Alters gefährlich instabil ist …“.
    [* Mostafa Akhtar in „Wer andern einen Brunnen gräbt…“, Berlin, 2012, https://ber-ev.de/bestellungen/broschuere-wer-andern-eine-brunnen-graebt..]
  7. Die Zeichnung ist jetzt sehr viel umfangreicher. Um das das Haus herum ist eine Burganlage aus vielen verschiedenen Gebäuden mit einem Brunnen im Burghof entstanden: „…oder eher wie bei einer Burg, mit Anbauten, mit versteckten Kammern und von undurchschaubarer Stabilität.“
  8. Wieder ist die Burg dargestellt. Zusätzlich wurden mit roten Linien Balken, Räume und Verbindungsgänge in die Gebäude eingezeichnet. Außerdem beschreiben die eingezeichneten Jahreszahlen Eckdaten der deutschen Kolonialgeschichte: 1682, 1847, 1884, 1888, 1904, 1940: „Wenn wir die Geschichte eines Bauwerkes kennen, können wir verstehen welches die tragenden Balken sind. Dekonstruktion ist das Verstehen der Konstruktionen. Aus Verständnis resultiert nicht automatisch eine Veränderung, aber es kann der Anfangspunkt sein.“
  9. Nach der längeren Erklärung überlegt die zweite Person: „Darüber muss ich in Ruhe nachdenken. Ich frage mich ob das an Hand einer Burg Sinn macht.“

MiniComic 8 : Eben Genauer

Worum es im transkribierten Comic geht

Das ist das erste MiniComic zum Thema Sichererer Sex (Safer Sex). Es ist geplant daß noch andere folgen. Hier gehts im weitesten Sinne um Kommunikation. Worte & Bilder & Transkription : Anna Heger, 2012-2013

Transkription des Comics

  1. Ein Lockenkopf. Die Augen sind nach unten gerichtet.
  2. Ein Lockenkopf. Die Augen sind nach unten gerichtet. Xier lächelt: Das könnte mir vielleicht sehr gefallen, aber…
  3. Glatte Haare und geschlossene Augen: …so will ich gerade nicht angefasst werden.
  4. Nur linker Arm, Hüfte und Brüste.
  5. Ein rechte Hand umfasst eine nackte Schulter.
  6. Ein Kinn und dahinter ein nackter Oberkörper: Ich müßt dir viel genauer erklären wie ich das gerne mag…
  7. Nur ein Ellenbogen vor schwarzem Hintergrund: …und eben das bekomme ich noch nicht hin.