DiverserLesen260609

Das Buch hat am Samstag den Ginco Independentpreis beim Comics Salon Erlangen bekommen. Ich war Teil der Jury und ihr könnt gern die volle Laudatio lesen, die ich für die Sachcomickategorie geschrieben hab.

Ein Sachcomic über Anthropologie, Archäologie, Evolutionstheorie, Kulturwissenschaften und eigentlich geht es darum wie Menschen durch das Kochen zu Menschen wurden. So ein Spass in Hypothesen einzutauchen und dann noch die Steinzeitrezepte! Es gibt eine Dokumentarfilmer*innenstimme die durch die Themen führt, aber besonders spannend sind die Interviews: mit Tieren, Vormenschen, Frühmenschen und dem modernen Mensch. Sie erzählen was sie essen, wie sie kochen und worauf es im Leben ankommt. Die Autorin hinterfragt ihre eigene Arbeitsweise, belegt alles mit Quellen und läd ein das Comic kritisch zu lesen, wirklich gut gemacht. Eine Kritik: Bei der Geschlechtsbestimmung von Knochen fehlte mir der Hinweis, dass das nicht immer zuverlässig funktionieren kann.

Buchdeckel von Die kochenden Affen - mit den besten Rezepten der letzten 3 Millionen Jahre von Tine Steen im Avant Verlag. Eine einfache Zeichnung auf grünem Grund: einGorillas steht an einem modernen Herd und rührt in einem Topf. Am Boden sitzt ein Gorillakind, das sich Chips aus einer Tüte in den Mund schüttet.

DiverserLesen260601

Empfehlung:

„Antichristie“ von Mithu Sanyal, zeitreisender Roman in India House, London Anfang des 19. und in nem Writer’s Room für Dr Who Anfang des 20. Jhd. Am Anfang braucht es Geschichtswissen, dann wachsen Erzählwelten auf und es wird genial. Querverweise, kritische Perspektiven und viele popkulturellen Bezüge, eingeflochtene populäre Zitate: es macht so Spass: »No shit, Sherlock.« direkt an DEN Sherlock Holmes gerichtet der was offensichtliches anmerkt. Er löst zwischendrin noch einen Kriminalfall.Niemand im Buch hat Neopronomen, aber „they“ wird mehrfach erwähnt. Das Buch ist vielschichtig. Es geht auch um Familiendynamiken und Verlust, und um Freundschaften und Liebesbeziehungen.  Letzendlich stehen befreiender Aktivismus und wie gewaltfrei er sein kann im Fokus.

Warum reiste der Doctor ausgerechnet mit diesem Symbol […] durch das Universum? Und was würde er/sie/they sagen, wenn ich einfach in die Tardis einstieg und um einen Lift nach Hause bat?

Buchdeckel von Antichristie von Mithu Sanyal, zwischen den grossen weissen Buchstaben ein Tiger mit den Vorderpranken auf Queen Elizabeths Schultern. kleiner Aufkleber mit Text: Spiegel Bestsellerautorin.

DiverserLesen260529

„Wochenende in Manitoba“ ist romantische Fanfiction von Vampyrsoul besonders schön sind die intimen Gespräche über Asexualität und Erwartungen in der Beziehung. Ein Charakter benutzt li als Neopronomen und wer anders probiert verschiedene Pronomen. Beim Pronomen le/lich/leine werden auch die Substantive angepasst.

»Äh?« Hilfesuchend sah er sein Freundil an.
»Du brauchst noch eine Fleischpfanne«, gab le die Antwort direkt an mich.

Kurz überlegte ich, bis mir passende Sätze einfielen. Hoffentlich war das nicht zu viel des Guten. »Ich mag Steve. They ist sehr nett und besonders mag ich their lustige und neugierige Art. Ich verbringe gern Zeit mit them.«

»Tut mir leid, wir haben ein wenig die Zeit vergessen.« Sier drehte sich halb nach mir um, streckte die Hand aus, damit ich näherkam. Als ich sie annahm, sah sier wieder zu sienen Eltern.

Screenshot von der Animexx Fanfiction Seite
Text: Wochenende in Manitoba
Von: Vampyrsoul
Länge: 14 Kap. (23.176 Wörter)
Datum: 19.07.2019 - 08.04.2021
Serie: Eigene Serie, Genderqueer / Transgender
Genre: Romantik, Fluff, Slice of Life
»Hey, ich will nicht weiter stören, aber meine beste Freundin nervt gerade. Wir wollen in drei Wochen mit unserer Clique für das Wochenende wegfahren. Hast du Lust mitzukommen?«

Illustration: neun Fahnen in einem drei mal drei Grid: lesbisch, trans, poly, bi, Regenbogen, pan, Demifrauen, asexuell, genderqueer

DiverserLesen260528

Der jugendlichen Surfer, der zielosen Austeiger im Kiosk seiner Tante und der frisch zugezogene Landarzt, alle drei in nem idyllischen Sommertouristenort an der Ostsee: der Roman ist erst schwule Kennlerngeschichte dreier Männer und dann auch viel Trouple Smut. Es ist sehr locker mit Fokus auf Romantik geschrieben. Oli ist genderfluid. Für xien werden Neopronomen genutzt wenn xier nicht anwesend ist, sonst kommuniziert Oli welches Pronomen grad passt. Das wird auch so Bekannten im Ort erklärt.

»Und… also wechselt… xier öfter zwischen Mann und Frau hin und her oder wie läuft das?«<, will ich wissen. So richtig kann ich mir nicht vorstellen, wie man sich dabei fühlt, finde es aber echt spannend, denn mich faszinieren Leute, die anders sind als der Durchschnitt.

Buchdeckel von Wie ein Regenbogen im Sturm von Jessica Martin im Cursed Verlag. Ein zwanzigjähriger Blonder, ein dreissigjähriger mit runder Brille und der Schattenriss eines Kite Surfers vor einem kleinen Strandhotel an dem eine Regenbogenflagge weht. Alles realistisch in Pastelfarben gezeichnet.

DiverserLesen260521

In „James“ von Percival Everett 2024 sehen wir „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ aus der Perspektive von James, auch Jim genannt. Ein wiederholt angeschnittenes Thema ist Passing und verwandtes: als white-passing, Elternschaft, Blackfacing und Minstrelgesang. Wirklich gut geschrieben. Der Pulitzer Preis macht soviel Sinn. Hab das Buch von Twain, 1884, noch abschnittsweise parallel gehört um keine Ironiezu verpassen.

Buchdeckel der englischen Taschenbuchausgabe: James von Percival Everett, Winner of the Pulitzer Prize for Fiction, shortlisted for the Booker Prize, The Sunday Times Bestseller.
Eine Schwarze Person mit Kleiderbündel am Stock watet durchs Wasser. Zusätzlich noch begeisterte Zitate von Zeitungen.

ImmerZeichnen260514

Hab ein Stabibuch zurückgebracht und noch mit Blick Richtung Innenstadt das Siegestor so zwischendurch gezeichnet. Liebe Münchner Radelnde, da hat die Polizei in beide Richtungen alle angehalten die bei rot über die Seitenstrassenampeln rüber sind.


Aquarellierte Buntstiftzeichnung des Siegestors in München, das Tor ist halb zu sehen umd links daneben eim dreistöckiges Gbäude, oben und auf halber Höhe Kupferstatuen, im Vordergrund der Hinterkopf von wem.

ImmerZeichnen260513

Habe bei der Liegenddemo für mehr Awareness, Versorgung und Inklusion bei LongCovid vor und nach dem Liegen gezeichnet. Liegen für die von den Betroffenen, die nicht auf eine Demo kommen können. Zwischendrin hat ein bayerisches Blasorchester ohne Ton gespielt um an Reizempfindlichkeit durch LongCovid zu erinnern. Das war halt auch son Ruhepunkt auf der Demo und ne clevere Art Einschränkungen und Verzicht sichtbar zu machen.

Aquarellierte Buntstiftzeichnung: Eine Person mit Pferdschwanz und Käppi auf nem elektrischen Rollstuhlscooter. Dahinter eine Menschenmenge und Fahnenstangen und Hotelgebäude.
Aquarellierte Buntstiftzeichnung: eine Person im Schneidersitz mit geschlossenen Augen, dahinter das Stadttor am Stachus und weitere Menschen die am Boden sitzen.

DiverserLesen260513

„Neograu“ spielt in einem zukünftigen Hamburg bei höherem Wasserstand. Blankenese ist einer der ärmsten Stadteile mit Müllinseln und schwimmenden Containerhäusern, leider geht mit der Armut Abwertung einher. Dazu live Gaming in riesigen Stadien, künstliche Intelligenzen und der aktivistische Untergrund geschrieben von Aiki Mira. Go, auch Stuntboi genannt, benutzt sowohl sie als auch er PronomenDie Pronomen sind kontextabhängig und an den Namen gekoppelt.

In Gos Eingeweiden bildet sich ein Knoten. Auf der Fahrt hierher erhielt sie die Benachrichtigung, dass übermorgen […] die Kraniotomie bei ihr durchgeführt werden soll.

Ruckartig zieht Stuntboi die Beine hoch, springt – das Board fliegt unter ihm in die Höhe.

Buchdeckel von Neongrau - Game Over im Neosubstrat von Aiki Mira im Polarise Verlag. Text in grossen leicht leuchtende weisse Buchstaben auf, im Hintergrund ein Auschnitt ohne Kopf einer Person mit futuristischer Handprothese vor leuchtenden Serverkisten.

DiverserLesen260427

Die Verwaltung eines futuristischen Frankfurts wird voll AI gesteuert, daran sind alle gewöhnt, aber unverständliche Dinge passieren, die aufgeklärt werden müssen. Aiki Mira  schreibt wendig und präzis, das Lesen wie in Gesprächen versunkene Spaziergänge, die nicht enden sollen. Das Buch schafft es nicht nur schnell ein Gefühl für die futuristischen Techologien und Lebenswelten zu geben, es fokussiert auch auf die Natur dazwischen, in den Ritzen der Stadt und zeigt die magische Wildnis am Stadtrand. Ein Charakter, Sascha, benutzt gar keine Pronomen und Zuzie dey Pronomen.

Zuzie besitzt auch echte Muskeln im Rücken und in den Beinen, dey nimmt dafür Booster und hat Tad mal welche in den Mund geschoben.

DiverserLesen260410

Die Lovestory spielt in Seattle, die junge Journalistin Lou findet einen Freund und einen Freundeskreis in der neuen Stadt. Dabei geht auch viel um militärische Veteranen und deren PTSD und familiäre Trauer. Das ist die dt. Originalfassung. Eine Nebenfigur, Robin, nutzt xier Pronomen.

»Du hast recht«, entgegnet Robin, und plötzlich nimmt xiese Miene einen ungewohnt ernsten Ausdruck an. »Es ist sehr wichtig. Deshalb machst du auch alles richtig. Schreib den Artikel, ganz Amerika soll ihn lesen, verdammt.«

Foto des Buchdeckels von All the faded Memories von Mira Manger, Drachenmond Verlag Herzklopfen. Die Schrift ist weiß über die ganze Seite verteilt, im Hintergrund blaue und weiße Bereiche wie aquarelliert und unten drei weiße Lilien.