Comic: Kindergartenkram

Hintergrund des Comics

Mit vier Jahren fand manches Verhalten von Erwachsenen nicht angemessen. Ich wollte respektiert werden. Was ich da erlebte würde ich heute Adultismus nennen. Unter dem visuellen Comic gibt es eine rein textbasierte Version des Comics, Screenreadable Comic Version. Dieser Auszug aus meinem derzeit entstehenden Buch wurde so in Queerulant_in – Queere Theorien und Praxen #11 vorveröffentlicht.

Visuelle Version des Comics

Comic Kindergartenkram, das ganze Comic wird im folgenden in reinen Text transkribiert

Transkription des Comics in reinen Text

Kindergartenkram von Anna Heger

Der Blick geht über die Dächer Friedrichshains und am Horizont steht der Berliner Fernsehturm. Aus einem der oberen Fenster eines gelben Altbauhauses war eine junge Stimme zu hören: „Anna, aufstehn?“ fragte eine Zweijährige. Eine zweite Stimme antwortete: „Ja, jetzt!“.

Ich liebte meine kleine Schwester sehr und wollte für sie groß und verlässlich sein.

Die kleine Schwester stand im Gitterbett in einem mit gelben Sonnen tapezierten Zimmer. Ich, vierjährig stand am Kachelofen vor meinem Bett und rief: „Heute gehen wir…“ und sie posaunte zur Antwort: „in den Kindergarten“.

Ich war vier, voller Selbstbewusstsein und Vorfreude. Ich hielt die Hand einer Kindergärtnerin ob an der Freitreppe des Eingangs des Rosa-Luxemburg-Karl-Liebknecht-Kindergartens. Das Gebäude war gelb und zweistöckiges und stand in einer typischen Berliner Altbaustraße mit Bäumen. Meine Mama und meine Schwester winkten am Fuß der großen Treppe. Meine Schwester würde nebenan in die Krippe gehen.

Der Garten war riesig, überall große Kinder. An der Rückseite des gelben Gebäudes begann ein weitläufiger Park. Ich renne von einer Attraktion zur nächsten. Dreiräder! Ein runder Sandkasten! Ui, vier Schaukeln. Schließlich klettere ich auf das riesige Klettergerüst. Es war größer als auf dem Boxhagener Platz Spielplatz. Ich blickte mich um. Und sogar Flieder, ich war im allerschönsten Kindergarten der Welt.

„Annaaaa, siessu mich?“ brüllte von hinter dem Trennzaun zur Krippe eine mir wohl bekannte Stimme und ich kletterte runter und rannte los.

Kleine und große Kinder spielten damals nicht im gleichen Garten. Mit den Händen im Maschendrahtzaun, hockten wir uns gegenüber. Eh ich mich versah, packte mich eine Hand und zog mich harsch vom Zaun weg: „Komm jetzt weg da.“

Ein Kindergärtnerin trennte mich von meiner Schwester. Die haben nichts erklärt oder begründet. Ich war wütend und ärgerlich: „Ich will selber entscheiden!“ Meine kleine Schwester stand da alleine und weinte.

Auf der Freitreppe durch die Zeit. Klein mit roter Latzhose ganz oben. Mit 4 wollte ich mehr Respekt. Was ich da erlebte, würde ich heute Adultismus nennen. Darunter schon älter mit einem orangefarbenen Kleid und rutschenden Socken. Mit 8 fielen mir sexistische Strukturen auf, aber so hätte ich es nicht bezeichnet. Zwei Stufen tiefer stand ich mit Sonnenbrille, hochgekremplelten Jogginghosen und weißem Shirt. Beziehungen hatten vor allem hetero zu sein, bemerkte ich mit 13. Auf der letzten Stufe hatte ich graue Hosen und ein grünes Oberteil an. Ich ruckte die Kopfhörer zurecht. Ich wusste wer ich bin und mit 16 konnte ich Hirschfeld lesen, aber Videos zu cis, trans und nichtbinär fehlten.

„Kindergartenkram“ ist Teil meines neuen Comicbuches über nichtbinäres analysieren, abchecken, cruisen und flirten mit viel queerem Content. Schreibt kurz an email@annaheger.de wenn ihr den Newsletter für das Buch erhalten wollt.

ENDE.

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