Version 4.0 : xier Pronomen ohne Geschlecht

Einleitung zur Version 4.0

Version 4.0 der Pronomen ohne Geschlecht ist die Optimierung der Version 3.2. Dort finden sich auch weiterführenden Informationen zu Grammatik ohne Geschlecht. Um die Pronomen zu lernen können die folgenden Grammatiktabellen zu Hilfe genommen werden. Eine weitere Möglichkeit sind die Pronomen-Bau-Sätze, für viele Anwendungen gibt es fertig Sätze um schnell die richtige Form auswählen zu könne. In den letzten Jahren werden xier Pronomen vermehrt in Synchronisationen und Untertiteln und in Romanen, Kurzgeschichten und Artikeln verwendet.

Die drei Grundformen und ihre Aussprache

  1. xier – [ksi:ɐ̯] – ein Personalpronomen, anstelle sie und er
  2. xies – [ksi:z] – ein Possessivpronomen, anstelle ihr und sein
  3. dier – [di:ɐ̯] – ein Artikel und ein Relativpronomen, anstelle die und der

Personalpronomen und Relativpronomen

Fälle: 1. Nom. 2. Gen. 3. Dat. 4. Akk.
Fragewörter: Wer? Wessen? Wem? Wen?
Personalpronomen xier xieser xiem xien
Relativpronomen dier dies diem dien

Possesivpronomen

Possessivpronomen beziehen sich immer auf zwei Personen oder Personenkreise. Der Stamm entspricht dem Genus der Person, zu der etwas/jemand gehört. Dafür wird statt den herkömmlichen Wortstämmen „sein“ und „ihr“ nun „xies“ verwendet. Die Endung entspricht dem Genus der Person, die zugehörig ist. Die Endungen bleiben wie die herkömmlichen bestehen also xies, xiese, xiesem, xiesen und xieses. Es kann aber sein, dass der zugehörigen Person kein Geschlecht zugewiesen werden soll, dann braucht auch zusätzliche Endungen. Hier werden Endungen auf „a“ vorgeschlagen. Diese sind nur wenig erprobt, vielleicht eigenen sich auch andere Vokale.

Beispielsätze zeigen wie die Kombination aller Endungen mit dem alternativen Wortstamm xies_ funktioniert:

  1. Nom.      Xiesa Freund_in, xiese Freundin, xies Freund und xies Kind schreiben.
  2. Gen.        Xier schämt sich xiesas Freund_in, xieser Freundin, xieses Freundes und xieses Kindes.
  3. Dat.       Das gehört xiesam Freund_in, xieser Freundin, xiesem Freund und xiesem Kind.
  4. Akk.       Xier sucht xiesan Freund_in;, xiese Freundin, xiesen Freund und xies Kind.

Diese werden dann an alle Pronomenwortstämme der Possessivpronomen angefügt, an „mein“, „dein“, „xies“, „ihr“, „sein“, „unser“, „euer“ und „ihr“ wenn sie sich auf Personen beziehen bei denen geschlechtsneutrale Pronomen werdet werden.

  1. Nom.   Meina Freund_in und eura Freund_in schreiben.
  2. Gen.   Du schämst dich meinas Freund_in und euras Freund_ins.
  3. Dat.   Das gehört meinam Freund_in und deinam Freund_in.
  4. Akk. Wir suchen ihran Freund_in und unseran Freund_in.

6 Gedanken zu „Version 4.0 : xier Pronomen ohne Geschlecht

  1. Jannis sagt:

    Ein kleiner Erfahrungsbericht für alle, die Xier in ihren Geschichten verwenden wollen:
    Ein geschlechtsneutrales Pronomen war das, was ich für meinen Roman stets gebraucht hatte. Der Großteil der Hauptcharaktere ist darin aufgewachsen, ohne das Konzept eines sozialen Geschlechts zu kennen.
    Problem war: Etwa die Hälfte des Buches hatte ich bereits geschrieben, ohne Xier überhaupt zu kennen. Die Charaktere waren alle zwar an sich non-binary, doch da ich im Deutschen keine Möglichkeit gesehen hatte, habe ich aus Not dennoch Er und Sie benutzt, basierend auf ihrer Anatomie, und wie sie „in unserer Gesellschaft genannt werden würden“, worüber ich jedoch stets unzufrieden war.
    Ein Freund machte mich schließlich auf Xier aufmerksam. Ich war zunächst sehr skeptisch, da es doch sehr auffällig war. Es dauerte schließlich etwa zwei Tage, bis ich ohne eine Deklinationstabelle schreiben konnte, und jetzt nachdem alles fertig ist, kann ich das Pronomen sicher in meiner Sprache verwenden. Und vor allem fällt es mir nicht auf. Im Gegenteil: Auch in alltäglichen Gesprächen fallen mir nun Er und Sie besonders auf, während ich Xier in meinem Roman gewohnt überlesen kann. Dass Xier „komisch“ wirkt liegt letztlich ausschließlich an Gewohnheit.

    Wie gesagt war die erste Hälfte des Buches zunächst noch mit Sie und Er geschrieben. Und es fällt doch auf, dass Xier nicht gut funktioniert, wenn man einen bereits bestehenden Text einfach eins zu eins so lässt und lediglich alle Sies und Ers durch Xier ersetzt. Es beeinflusst schließlich den Textfluss, wohlgemerkt nicht negativ oder positiv. Rein intuitiv schreibe ich meine Sätze aber anders mit Xier. Besonders dadurch, dass die Personal- und Possesivstämme von Xier so ähnlich zueinander sind (Xier/Xies), im Gegensatz zu Er/Sein und Sie/Ihr, können Sätze schneller mal repetetiv wirken, was mein eigenes Sprachgefühl zumindes ein wenig komisch findet. Und Repitition kommt natürlich ebenso dadurch hinzu, dass die Variation von Er und Sie, zwei unterschiedlichen Pronomen, wegfällt und alles das selbe Pronomen ist (das trifft aber vermutlich eher auf meinen Roman zu, in dem die meisten Charaktere für all ihre Mitmenschen ausschließlich Xier benutzen, im Gegensatz zu alltäglicheren Gebräuchen, wo Xier nicht exklusiv, sondern ein zusätzliches Pronomen wäre. Dennoch, ein Beispiel: Er dreht ihr seinen Kopf zu. -> Xier dreht xiem xiesen Kopf zu. Ich würde das Problem schlicht lösen durch: [Name] dreht xiem den Kopf zu. Natürlich kann man sich noch viel übertriebenere Beispiele aus den Fingern ziehen (wobei, da kann man dann doch auch wunderbare Zungenbrecher machen (hmmm… Xier zieht xiesen riesen Ziegel, bis xien xies Ziegel-Ziehen zerbricht (ok da gibts bestimmt bessere))). Und außerdem gibt es Repititionen auch bei Nutztung gängigerer Pronomen: Ihr zeigt ihr ihr Haus/uns unser Haus. Auch nur eine Sache der Gewohnheit.

    Eine weitere Frage stellt sich mir natürlich dabei, wie das beim Vorlesen klingt. Und tatsächlich verhaspel ich mich da manchmal immer noch, aber auch nur, solange ich stur versuche das X schön deutlich auszusprechen. Davon ist ab und zu abzuraten. Oft passt denke ich ein scharfes S, ab und zu noch mit angedeutetem K davor. Nuscheln ist hier der Weg zu Erfolg, was ja bei den meisten Wörtern ohnehin so ist. Keiner sagt bei „keiner“ das R deutlich, als Beispiel. Weitere Fälle wären ein Xier nach einem Wort, das mit N endet und nach einem Wort, das mit T oder D endet. Beim N spreche ich ebendieses N eher wie nk aus, nur nicht ganz so deutlich. Bsp.: Ich bin xiem begegnet (gesprochen: Ich bink ßiem begegnet). Beim T oder D gibt es einmal die einfache Möglichkeit des scharfen S (Das hat xier mir gesagt („Das hat ßier mir gesagt.“).) oder die (für mich intuitive), den K-Laut und das D, bzw. T so halb zu tauschen (Das hak tsier mir gesagt.). Das klingt zwar etwas hässlicher in der Theorie, in der Praxis ist jedoch wieder Nuscheln angesagt. Die selben Beispiele mit Sie und Er werden schließlich meist auch eher genuschelt („Das hazie mir gesagt.“, „Das hatter mir gesagt.“).

    Mein Fazit: Xier ist ein sehr schönes Pronomen, das wunderbar funktioniert, und selbst mich als einst sprachpuristischen Skeptiker überzeugt hat. Es wird mich auf jeden Fall noch in vielen weiteren Projekten, und nicht zuletzt in meinem eigenen Leben, begleiten. Dass es auffällig sei, anders sei, „komisch“ klänge, ist nur eine Ausrede es nicht zu lernen. Benutzt es in Büchern, in Texten, in Filmen, beim Reden, überall, denn es ist toll.

  2. Sonderfall sagt:

    Danke für die Antwort! Ich meine nicht, dass die xier-Pronomen schwer zu merken wären. In der Tat sind sie sehr konsequent aufgebaut.

    Hier ein paar Beispiele für das Utrum mit -(d)e:

    Bestimmter Artikel, Reflexivpronomen: de, dese/desse, deme, dene
    Personalpronomen: e/ere, seinere, ihme, ihne
    Sonstige Pronomen und Artikel: einde, einese, eineme, einene
    Adjektive starke Deklination: gutede, gutene, guteme, gutene
    Substantive mit Endung auf Konsonant: de Lehrere, dese Lehreres
    Substantive n-Deklination: de Studente, dese Studentes, deme/dene Studentene
    Substantive mit Endung auf Vokal: de Pädagogde, dese Pädagogdes
    Substantive auf -o/-a: de Maestre, dese Maestres

    Das -de ist nur eine Alternative für den Fall, dass ein Wort mit -e schlecht aussprechbar oder verwechselbar wäre. Ansonsten wäre es auch noch möglich, wie im Englischen und Niederländischen auf die Deklination teilweise zu verzichten.

  3. Sonderfall sagt:

    Hallo, ich habe Deine verschiedenen interessanten Ausführung über die Pronomen gelesen und sehe, dass das Konzept sehr gut durchdacht und ausgearbeitet ist. Deshalb hier meine eher als Fragen zu verstehenden Gedanken dazu.

    Dieses Konzept in der Alltagssprache zu verwenden, kann ich mir leider schwer vorstellen, weil es mir schlicht zu umständlich ist. Die neuen Pronomen sind komplizierter auszusprechen und haben schriftlich mehr Buchstaben als die herkömmlichen Pronomen. Vielleicht ist das auch eine Frage der Zielsetzung. So auffällige Formen eignen sich vielleicht besser, um sich von den anderen Genera abzuheben („Aliudum“), aber ich vermute weniger, um sich in der allgemeinen Sprache durchzusetzen.

    Vor einiger Zeit bin ich dazu gelangt, bei Bedarf den niederländischen Artikel Utrum „de“ zu verwenden. Durch Anhängen von -e oder -de an die einfachste Form lassen sich zu allen genusabhängigen Wörtern Utrum-Formen bilden. Wie weit man damit gehen will, ist flexibel. Dadurch wird eine Überforderung vermieden.

    • Illi Anna Heger sagt:

      Der Grund vom ursprünglichen s in sier auf das x in xier zu wechseln, war Verwechslungsgefahr bei sprechen, wo es ja im Alltag zu Kürzungen kommt. Da sich die Endungen der Personalpronomen an den zugehörigen Fragewörtern orientieren, sind die xier Pronomen eigentlich leichter zu lernen als manch andere Form. Die Possesivpronomen verwenden die gleichen Endungen wie ihr oder sein und sind deshalb auch schnell zu lernen.

      Die Artikel dier dies diem und dien sind sehr naheliegend und haben ähnliche Buchstaben wie die herkömmlichen Artikel.

      Vielleicht magst du ausführen woran du -e und -de anhängen willst.

      • Sonderfall sagt:

        Danke für die Antwort! Ich meine nicht, dass die xier-Pronomen schwer zu merken wären. In der Tat sind sie sehr konsequent aufgebaut.

        Hier ein paar Beispiele für das Utrum mit -(d)e:

        Bestimmter Artikel, Reflexivpronomen: de, dese/desse, deme, dene
        Personalpronomen: e/ere, seinere, ihme, ihne
        Sonstige Pronomen und Artikel: einde, einese, eineme, einene
        Adjektive starke Deklination: gutede, gutene, guteme, gutene
        Substantive mit Endung auf Konsonant: de Lehrere, dese Lehreres
        Substantive n-Deklination: de Studente, dese Studentes, deme/dene Studentene
        Substantive mit Endung auf Vokal: de Pädagogde, dese Pädagogdes
        Substantive auf -o/-a: de Maestre, dese Maestres

        Das -de ist nur eine Alternative für den Fall, dass ein Wort mit -e schlecht aussprechbar oder verwechselbar wäre. Ansonsten wäre es auch noch möglich, wie im Englischen und Niederländischen auf die Deklination teilweise zu verzichten.

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