Minicomic 19 : Die Hundert-Prozent-Quote

Einleitung zum Comic

Riesen-Jammerei selbst wegen megamini Frauenquoten regt mich sehr auf. Außerdem wird der Eindruck erweckt es gäbe es nur eine einzige Diskriminierungsachse und zwar Sexismus. Das ist bestimmt nicht die einzige Art der Diskriminierung im Arbeitsleben. Ich hätte gern die 100%-Quoten der unheimlich homogenen Chefetagen so benannt und dann abgeschafft. Deren Zusammensetzung ist symptomatisch für die Struktur unserer Gesellschaft. Unter dem visuellen Comic gibt es eine rein textbasierte Version des Comics, Screenreadable Comic Version. Und es gibt noch mehr MiniComics.

Visuelle Version des Comics

MiniComic 19 Die Hundert-Prozent-Quotedas ganze Comic wird im folgenden in reinen Text transkribiert

Hintergrund zum Comic

In diesem MiniComic werden Zitate aus vier Tweets, KhaosKobold, baranek, enoerlee und miinaaa, und aus dem Artikel von John Scalzi, „Straight White Male: The Lowest Difficulty Setting There Is“, benutzt.

Transkription des Comics in reinen Text

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Die Hundert-Prozent-Quote

Ich sitze im vollen Bus auf dem Weg zur Arbeit. „Wenn jemand fragt, ob wir nicht schon gleichberechtigt sind, bin ich sprachlos … wo soll ich da anfangen?“ [1] denke ich den Gesprächen meiner Sitznachbarn zuhörend. Mein Gesicht genervt verzogen. Der Kopf lehnt am Fenster.

Der Bus hält an der Haltestelle vor der Firmenzentrale.

Ich gehe zur Eingangstür dieses riesig großen Gebäudes.

Von Level 0 führt die Rolltreppe auf Level 1.

Ich komme oben in Level 1 an und höre wen reden: „Bis zu uns ist es doch barrierefrei und mehr hat bisher niemand verlangt.“

Ich gehe weiter zum Treppenhaus auf dem Weg zu Level 2. Auf der Tafel mit dem Pfeil die Treppe hinunter steht „ohne Abitur hier entlang“. Boah, ey.

Am Fuße der Wendeltreppe hoch zu Level 3 steht ein Schild „Kinderwagen verboten“. Ich darf da hoch steigen.

Auf der angelehnten kleinen Leiter zu Level 4 höre ich von unten: „Männer können aus ihrer Normalität heraus Karriere machen, Frauen hingegen müssen sich stark verstellen.“ [2]

Als ich die Strickleiter, die aus einer kreisförmigen Öffnung zu Level 5 hängt, hoch will höre ich wen von oben: „Man muss sich nur kritisch korrekt ausdrücken, dann ist es auch nicht rassistisch.“ [3] und „Wir haben doch schon ne Quote. Was soll man denn noch alles für die tun?“[4]

Ich weiß schon, Level 5 ist nicht ganz oben und ansonsten haben Leute die Reihenfolge der Level auch anders erlebt.

Die fünf Level türmen sich übereinander wie fliegende Käsescheiben verbunden über winzige Treppen, Leitern und Rolltreppen. Mit zerknirschtem Gesicht sag ich: „Tja, und ganz oben gibt es eine Hundert-Prozent-Quote: 100% weiß, hetero, cis männlich, studiert, ableisiert und so weiter. Eine einzelne Abweichung davon schien auch akzeptabel zu sein. Sonst wäre ich ja auch nicht so weit gekommen.“

Mein Auge zuckt: „Beim kompliziertesten Rollenspiel, mit der größten Anzahl an Leveln, auch bekannt als richtiges Leben, ist weiß-hetero-cis-männlich die Einstellung mit dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad.[5] (John Scalzi, „Straight White Male: The Lowest Difficulty Setting There Is“, 2012)

ENDE.

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